Die AfD in Sachsen muss nicht nur Frauke Petry ersetzen. Nach dem Rückzug und Parteiaustritt der ehemaligen Landes- und Fraktionschefin geht es auf dem Parteitag am Samstag in Hoyerswerda darum, die gesamte Führung neu zu wählen.

Als Petry sich nach der Bundestagswahl im September vergangenen Jahres wegen politischer, strategischer und persönlicher Differenzen zurückgezogen hatte, waren ihr mehrere Landesvorstandsmitglieder gefolgt. So viele, dass die AfD keine handlungsfähige Spitze mehr hatte.

Um Petrys Nachfolge bewirbt sich unter anderem der Leipziger Kreisverbandschef und Bundestagsabgeordnete Siegbert Droese. Er führt den Landesverband bereits kommissarisch, seit der Bundesvorstand der Partei in Sachsen einen Notvorstand eingesetzt hatte.

Bis zu 900 Mitglieder werden in Hoyerswerda erwartet. Um die neu zu vergebenden Posten konkurrieren mindestens 30 Kandidaten. Viele davon kommen aus dem Teil der Partei, der Petry in keinster Weise vermisst. Neben Droese, dem gute Chancen eingeräumt werden, will auch der Landtagsfraktionschef Jörg Urban Landesvorsitzender werden. Wie Droese gehört er zum nationalkonservativen Flügel der Partei. Beide unterzeichneten die Erfurter Resolution, das Manifest des Lagers um den Thüringer Nationalisten Björn Höcke. In dem Papier spricht sich der Höcke-Flügel für eine stark konservative AfD aus.

Besonders in Sachsen machen sich die Nationalkonservativen für ein enges Bündnis mit der Pegida-Bewegung stark. Im Großraum Dresden gebe es bereits "ein Bündnis mit Pegida im weitesten Sinne", sagte Droese. "Und wir haben stark davon profitiert." Wenn es nicht gelinge, "freie Hand zu bekommen und Pegida an unserer Seite zu halten, dann werden es vielleicht fünf oder sechs Prozent weniger an Zustimmung für (die Landtagswahl) 2019". Nach Droeses Vorstellung soll Pegida für die AfD sein, was die Kirchen oder Gewerkschaften für andere Parteien sind. Droese setzt sich zudem für "freien Waffenbesitz für jeden rechtstreuen Deutschen" ein. "Volksbewaffnung helfe, Koransprengköpfe zu neutralisieren", schreibt Droese auf Facebook.

Unter Petry hatte die Parteiführung Beschlüsse zur Abgrenzung zu Pegida und anderen Organisationen gefasst und eine Unvereinbarkeitsliste von Organisationen erstellt, die sich nicht mit einer AfD-Mitgliedschaft vertragen. Der sächsische Bundestagsabgeordnete Detlef Spangenberg will mit einem Antrag erreichen, dass sich der Landesverband für eine Kürzung der Liste einsetzt. Dann wäre es zum Beispiel möglich, dass identitäre Aktivisten oder Ex-Mitglieder rechtsextremer Parteien in die AfD eintreten. Petry hatte während ihrer Zeit im Landesverband außerdem versucht, durch Beschlüsse zu verhindern, dass Pegida-Vertreter auf AfD-Veranstaltungen Reden hielten und umgekehrt. Nach langem innerparteilichem Streit, unter anderem vor einem Schiedsgericht, blieb verboten, dass Pegida bei der AfD auftritt.