Die Sitzung des CDU-Präsidiums hatte am Montag erst wenige Minuten gedauert, als die wichtigste Neuigkeit des Tages bereits durchsickerte: Annegret Kramp-Karrenbauer, die saarländische Ministerpräsidentin, soll neue CDU-Generalsekretärin werden. Sie folgt damit auf den zuletzt in seiner Partei arg in die Kritik geratenen Peter Tauber, der am Sonntagabend – auch aus gesundheitlichen Gründen – seinen Rückzug von dem Amt erklärt hatte.

Für die Partei ist die Personalie eine Überraschung. Zwar war Kramp-Karrenbauer in den vergangenen Tagen als mögliche Ministerin in einem erneuten schwarz-roten Kabinett unter Merkel gehandelt worden. Doch dass Merkel sie zur Generalsekretärin machen könnte, damit hatte niemand gerechnet. Ganz einfach deshalb, weil Ministerpräsidentinnen normalerweise nicht Generalsekretärinnen werden, sie sind karrieremäßig gewissermaßen schon einen Schritt weiter. Generalsekretär, das ist eher eine Aufstiegsposition für hoffnungsvolle Abgeordnete.

Dass Kramp-Karrenbauer diesen Schritt nun wage, sei alles andere als selbstverständlich, sagt Merkel deshalb in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Kramp-Karrenbauer. Und es war ihr wichtig zu betonen: Die saarländische Ministerpräsidentin selbst habe ihr vorgeschlagen, in dieses Amt zu wechseln. "Das hat mich sehr berührt", sagte Merkel. Und tatsächlich ist Kramp-Karrenbauers Angebot für sie auf vielerlei Weise hilfreich.

Eine enge Vertraute

Erstens kann Merkel nun eine enge Vertraute in diese wichtige Position holen. "Wir kennen uns lange und können uns sehr aufeinander verlassen", sagte Merkel. Sie ins Kabinett zu befördern wäre dagegen wohl schwieriger gewesen. Denn dort sitzt bereits Peter Altmaier, ein anderer wichtiger Vertrauter von Merkel. Und zwei Kabinettsposten für den kleinen saarländischen CDU-Landesverband, das hätte in der CDU für neuen Ärger sorgen können. Auch wenn Merkel bestritt, dass derartige Überlegungen eine Rolle gespielt hätten.

Zweitens aber kann Merkel durchaus hoffen, dass Kramp-Karrenbauer in der CDU auf breite Akzeptanz stoßen wird. Zwar steht sie sicher nicht für die erhoffte Verjüngung der Partei, wie sie vor allem jüngere Politiker seit dem schlechten Abschneiden der CDU bei der Bundestagswahl und den von der Partei als wenig erfolgreich erlebten Koalitionsverhandlungen mit der SPD immer wieder gefordert wurde. Mit ihren 55 Jahren ist Kramp-Karrenbauer schließlich nur acht Jahre jünger als Merkel selbst und immerhin zwölf Jahre älter als ihr Vorgänger Tauber.

Kramp-Karrenbauer ist populär

Doch Kramp-Karrenbauer ist in der CDU beliebt. In einer Umfrage von Dezember erhielt sie in einer Reihe von potenziellen Merkel-Nachfolgern unter den Unionsanhängern die meiste Zustimmung. Und sie hat im vergangenen Jahr bewiesen, dass sie Wahlen gewinnen kann. Damals holte sie im Saarland über 40 Prozent, obwohl angesichts des Schulz-Hypes kaum noch einer mit ihrem Sieg gerechnet hatte.

Und auch wenn FDP-Chef Christian Lindner nun lästerte, im Adenauerhaus gebe es künftig neben einer großen noch eine kleine Merkel, hat Kramp-Karrenbauer in der Vergangenheit politisch mitunter andere Akzente gesetzt als Merkel. Zwar unterstützte sie deren Flüchtlingspolitik, doch in integrationspolitischen Fragen gab sie sich unnachgiebig. So setzte sie sich zuletzt für eine obligatorische Altersfeststellung von Flüchtlingen ein und forderte ein konsequenteres Vorgehen bei Abschiebungen.

Im Saarland bewies sie zudem Mut zum politischen Risiko, als sie die Jamaika-Koalition 2012 platzen ließ und stattdessen – gegen Merkels Rat – auf Neuwahlen setzte und gewann. Dass sie mitunter auch vor populistischen Aktionen nicht zurückschreckt, zeigte sie, als sie im Saarland Auftritte von türkischen Politikern verbieten ließ, die nie geplant waren.