Kurz vor dem Parteitag sind die Umfragewerte der SPD auf ein Rekordtief gesunken. Nach Angaben des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap für den ARD-Deutschlandtrend würden nur 16 Prozent ihre Stimme der Partei geben. Das sind zwei Prozentpunkte weniger als noch Anfang Februar – und damit das schlechteste Ergebnis, das die SPD in einer Umfrage bisher erzielt hat.

Bei der Bundestagswahl im September 2017 hatte die SPD 20,5 Prozent erreicht. Kürzlich veröffentlichte Umfragen anderer Institute sahen die Partei bei 17 beziehungsweise 16,5 Prozent.

In der sogenannten Sonntagsfrage liegt die AfD (15 Prozent) damit nur noch einen Punkt hinter der SPD. Die Union bleibt mit 33 Prozent stärkste Kraft. Die FDP würde neun Prozent erhalten, die Linken erreichten elf Prozent und die Grünen 13. Das Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap befragte zwischen Dienstag und Donnerstag 1.001 Menschen telefonisch.

Dass Andrea Nahles die SPD einen und wieder nach vorne bringen kann, glaubt nur ein Drittel der Befragten. 47 Prozent sehen das nicht. Die SPD-Anhänger sind bei der Frage etwas optimistischer: 48 Prozent meinen, Nahles könne dies gelingen, 41 Prozent sehen das anders.

Nach dem Rücktritt von Martin Schulz gilt Nahles als wahrscheinlichste Nachfolgerin für den Parteivorsitz. Sie soll auf einem Sonderparteitag am 22. April gewählt werden. Schulz' Entscheidung, kein Amt in der künftigen Bundesregierung auszufüllen und den Parteivorsitz abzugeben, halten die meisten Befragten indes für richtig: 78 Prozent befürworten das.

Ab Dienstag entscheiden die Mitglieder der SPD über eine Neuauflage der großen Koalition. Die Abstimmung über den Koalitionsvertrag mit der Union läuft bis zum 2. März. Am ersten Märzwochenende soll das Ergebnis vorliegen. Nahles hatte am politischen Aschermittwoch die Sozialdemokraten zu Einigkeit aufgerufen. Großes Engagement in der ganzen Partei sei jetzt notwendig. "Das kann niemand einzelner als Vorturner."

Über die Unsicherheiten von Umfragen

Repräsentative Umfragen unterliegen immer Fehlern. Man kann davon ausgehen, dass der tatsächliche Wert mit hoher Wahrscheinlichkeit in einem Bereich von einem bis drei Prozentpunkten über oder unter den letztlich angegebenen Messwerten liegt. Den Korridor dieses statistischen Fehlers zeigen wir ab sofort in unseren Grafiken zu Wahlumfragen.

Die Ergebnisse basieren immer auf Stichprobenbefragungen. Diese decken in der Regel nur spezielle Teile der Bevölkerung ab (zum Beispiel Menschen mit Festnetz-Telefonanschluss oder Internetnutzer). Einige potenzielle Teilnehmer sind ablehnend und wollen erst gar nicht befragt werden. Fragen werden mitunter auch falsch verstanden und nicht immer aufrichtig beantwortet. Zum Beispiel auch in Reaktion auf vorangegangene Umfragen. Um jedoch ein allgemeines Meinungsbild über alle Bevölkerungsgruppen hinweg zu berechnen, müssen die Demoskopen fehlende Messwerte und vermutete Ungenauigkeiten ausgleichen und die vorliegenden Zahlen neu gewichten. Diese (in der Regel nicht transparenten) Formeln unterscheiden sich in den Instituten und führen daher zu unterschiedlichen Aussagen.

Umfragewerte sind immer Momentaufnahmen. Mehr als eine grobe Tendenz für ein Meinungsbild lässt sich daraus nicht ableiten. Selbst wenn die Aussagen und Berechnungen zum Veröffentlichungszeitpunkt der Umfrage nahe an der Realität liegen, ist immer noch offen, ob die damals befragten Wähler zum Beispiel später tatsächlich ihre Stimme abgeben oder sich kurzfristig umentscheiden.

Weitere Hintergründe über unseren Umgang mit Wahlumfragen finden Sie in unserem Transparenzblog Glashaus.

Clemens Schick - Sind Sie für die Groko? Der Schauspieler Clemens Schick hat die SPD im Wahlkampf unterstützt. Im Video erklärt er, warum er sich zusammen mit Iris Berben in das SPD-Chaos eingeschaltet hat. © Foto: Ute Brandenburger