Die große Koalition hat in der vergangenen Wahlperiode mehr Versprechen gehalten, als die Wähler denken. Einer Studie der Bertelsmann Stiftung zufolge, die in der kommenden Woche veröffentlicht wird, sind 79 Prozent der 188 konkreten Vereinbarungen aus dem Koalitionsvertrag von 2013 voll oder teilweise eingelöst worden. Bereits in der ersten Hälfte der Legislaturperiode hätten CDU, CSU und SPD viele Punkte des Regierungsprogramms umgesetzt, berichtet der Spiegel, dem die Studie bereits vorliegt.

Die Wähler und Wählerinnen haben allerdings einen völlig anderen Eindruck von der Arbeit der Regierung: Nur 13 Prozent der Wahlberechtigten sind laut der Studie der Meinung, alle, fast alle oder zumindest ein großer Teil der im Koalitionsvertrag enthaltenen Versprechen seien tatsächlich verwirklicht worden.

Gleichzeitig haben die Befragten bei einzelnen, besonders wichtigen Vorhaben aus dem Koalitionsvertrag von 2013 aber durchaus das Gefühl, dass diese verwirklicht wurden. So sehen zum Beispiel fast alle Befragten die Einführung des Mindestlohns als umgesetzt an.

Besonders gut hat die Regierung der Studie zufolge in den Bereichen Gesundheit sowie Arbeit und Soziales gearbeitet. Von den 20 Gesundheitsversprechen seien 15 voll und vier zumindest teilweise eingelöst worden. Beim Bereich Arbeit und Soziales gab es insgesamt 36 Zusagen, von denen 25 voll und fünf teilweise erfüllt wurden. Negativ fällt dagegen der Bereich Ernährung und Landwirtschaft auf: Hier gab es zwei konkrete Versprechungen, von denen nur eines umgesetzt wurde.

Die vergleichsweise guten Werte bei der Umsetzung "hängen auch mit der Dauer und Zusammensetzung deutscher Koalitionsregierungen zusammen", heißt es laut Spiegel. Als Faustregel gelte: Je weniger Parteien beteiligt seien und je länger sie regierten, desto mehr Versprechen erfüllten sie.