Neue, unverbrauchte Gesichter wünschen sich spätestens seit der Bundestagswahl immer mehr in der CDU. Das hat auch Angela Merkel mittlerweile erkannt. Für das Amt des Union-Fraktionschefs griff sie noch auf ihren langjährigen Getreuen Volker Kauder zurück, doch nun hat Merkel ausdrücklich versprochen, "jüngere Leute" bei den anstehenden Stellenbesetzungen zu berücksichtigen.

Dabei geht es um die künftigen Minister, aber auch Staatssekretäre und möglicherweise einen neuen Generalsekretär für die CDU. Klar ist: Wer jetzt ein wichtiges Amt bekommt, hat gute Startchancen, wenn es in den kommenden Jahren um Merkels Nachfolge gehen wird. Was natürlich nicht bedeutet, dass die Älteren, wie etwa der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet oder die Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen deswegen keine Rolle mehr spielten.

Doch auch jenseits dieser Posten stellt sich die Frage, wer die CDU der Zukunft prägen könnte. Ein Blick auf die Nachwuchshoffnungen zeigt: Viele von denen, die da nachdrängen, sind deutlich konservativer als Merkel und ihre Getreuen. Das Qualitätskriterium "jung" scheint man dagegen in der CDU auch mit Mitte 40 noch ganz gut erfüllen zu können. Ein Überblick:

Annegret Kramp-Karrenbauer: Die saarländische Ministerpräsidentin ist mit 55 Jahren zwar nicht mehr wirklich jung. Doch weil sie in der Bundespolitik bisher keine Rolle gespielt hat, wirkt sie relativ unverbraucht. In einer Umfrage aus dem Dezember schnitt sie unter den genannten möglichen Merkel-Nachfolgern am besten ab. Beeindruckt hat sie die Partei damit, dass sie im vergangenen Jahr die Landtagswahl mit über 40 Prozent gewann, obwohl sie zunächst als chancenlos galt. Merkels Flüchtlingspolitik hat Kramp-Karrenbauer unterstützt. Scheu vor populistischen Aktionen ist sie gleichwohl nicht: So ließ sie 2016 öffentlichkeitswirksam türkische Wahlkampfveranstaltungen im Saarland verbieten, die ohnehin gar nicht geplant gewesen waren.

Kramp-Karrenbauer fehlt Regierungserfahrung auf nationaler und internationaler Ebene. Sie jetzt ins Kabinett zu berufen, wäre für Merkel aber schwierig. Dort sitzt mit Peter Altmaier schon ein anderer Saarländer, und Merkel muss schließlich auch noch andere CDU-Landesverbände bedienen. Sollte Altmaier allerdings im nächsten Jahr EU-Kommissar werden, könnte Kramp-Karrenbauer ihn ablösen. Ihr selbst wäre es wohl gar nicht unrecht, wenn sie noch eine Weile im Saarland bleiben könnte. Schließlich liegt ihre Wiederwahl noch nicht lange zurück.

Julia Klöckner: Mit 45 Jahren ist die rheinland-pfälzische CDU-Vorsitzende noch vergleichsweise jung und trotzdem schon seit fünf Jahren eine von Merkels Stellvertreterinnen und Stellvertretern als Parteivorsitzende. Sie ist in der CDU beliebt und wurde stets mit sehr guten Ergebnissen gewählt. Geschadet hat ihrem Ansehen allerdings, dass sie gleich zwei Landtagswahlen verloren hat. Politisch tritt Klöckner konservativer auf als ihre Chefin: So kämpfte sie für ein Verschleierungsverbot und versuchte, sich von Merkels Flüchtlingspolitik vorsichtig zu distanzieren. Seit der verlorenen Landtagswahl 2016 verhält sie sich Merkel gegenüber jedoch wieder sehr loyal. Würde sie nun Ministerin, rückte sie zweifelsohne in den Kreis der potenziellen Merkel-Nachfolger auf. Sie könnte aber auch Generalsekretärin werden. Dass man sich auch in diesem Amt für Höheres profilieren kann – notfalls auch gegen den Chef – hat nicht zuletzt Merkel selbst bewiesen.

Jens Spahn: Der Finanzstaatssekretär ist Mitglied des CDU-Präsidiums und mit 37 Jahren tatsächlich noch relativ jung. In den vergangenen Jahren hat er sich vor allem mit seiner harten Haltung in der Integrationspolitik einen Namen gemacht. Er trat zum Beispiel vehement für ein Verschleierungsverbot ein und setzte auf dem Parteitag 2016 gegen Merkels Willen einen Beschluss zur Rücknahme der doppelten Staatsbürgerschaft durch. Zudem gehört er zu den wenigen, die sich immer mal wieder trauen, Merkel offen zu kritisieren. Auch deshalb ist er zum Hoffnungsträger all jener aufgestiegen, denen die Merkel-CDU zu mittig und zu beliebig geworden ist.

In einer Umfrage schnitt Spahn unter den CDU-Anhängern allerdings deutlich schlechter ab als die anderen potenziellen Merkel-Nachfolger Kramp-Karrenbauer und Klöckner. Verpasst er nun den Einzug ins Kabinett, könnte es mangels Erfahrung schwierig für ihn werden, an die Spitze der Partei aufzusteigen. Dass er Generalsekretär wird, gilt als unwahrscheinlich. Dafür dürfte Merkel ihm zu wenig vertrauen.

Annette Widmann-Mauz: Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium und Vorsitzende der Frauenunion. Bisher dürften nur Politikinsider die 51-Jährige kennen, durch provokante Äußerungen ist sie bisher kaum aufgefallen. Vom Typ her dürfte sie Merkel ähnlich sein: Sie gilt als sachlich, zurückhaltend und kompromissbereit und könnte nun die Chance bekommen, sich als Bundesgesundheitsministerin zu profilieren. Schließlich hat Merkel versprochen, dass sie die Hälfte der Kabinettsposten mit Frauen besetzen will. Für Widmann-Mauz spricht auch, dass sie aus dem starken CDU-Landesverband Baden-Württemberg stammt, der seit dem Abgang von Wolfgang Schäuble im Kabinett nicht mehr vertreten ist.

Neue, junge Ministerpräsidenten und einer, der es werden könnte

Helge Braun: Der 45-jährige Arzt aus Gießen ist derzeit noch Staatsminister im Kanzleramt. Von ihm heißt es, er sei fröhlich, gelassen und ausgewogen. Während der Flüchtlingskrise hatte er Gelegenheit, seine organisatorischen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen: Er musste die Zusammenarbeit zwischen Bund, Ländern und Kommunen koordinieren. Dass die Öffentlichkeit ihn bisher kaum wahrgenommen hat, muss kein Nachteil sein. Denn er gilt als Anwärter auf den Posten des Kanzleramtschefs und für den ist Diskretion oberstes Gebot.

Paul Ziemiak: Es gibt nicht viele Politiker, die sich rühmen können, so häufig in den Nachrichten erwähnt zu werden wie der 32-jährige Chef der Jungen Union, der seit diesem Herbst auch Bundestagsabgeordneter ist. Ziemiak ist einer der engagiertesten Unterstützer Spahns. Gemeinsam mit diesem und dem 40 Jahre alten Vorsitzenden der CDU-Mittelstandsvereinigung, Carsten Linnemann, hat er Merkel in den vergangenen Jahren immer wieder zu Kurskorrekturen gezwungen. Auf den Parteitagen 2014 und 2015 setzten sie beispielsweise Beschlüsse zum Abbau der kalten Progression oder der Begrenzung der Flüchtlingszahlen durch. Wenn Ziemiak und Linnemann nun für "neue Gesichter" in der Partei kämpfen, dürfte es ihnen weniger um die eigene Beförderung als um die von Spahn gehen. Sollte der in der CDU künftig etwas werden, wäre wohl auch ihre eigene Zukunft gesichert.

Daniel Günther: Der 44-Jährige wurde 2017 Ministerpräsident von Schleswig-Holstein und regiert dort mit einer Jamaika-Koalition. Vor seinem überraschenden Wahlsieg kannte ihn fast niemand, seither ist er in der Partei und in den Medien dauerpräsent. Er verhandelte über eine Koalition im Bund zunächst mit FDP und Grünen und nun mit der SPD mit. Und er hat selbstbewusst deutlich gemacht, dass er sich selbst als einen von denen sieht, die die CDU in Zukunft führen werden. Er vertritt einen eher liberalen Kurs. So sprach er sich früh für die Ehe für alle aus und forderte seine Partei beim Familiennachzug für Flüchtlinge zu mehr Großzügigkeit auf.

Michael Kretschmer: Der 42-Jährige ist seit wenigen Monaten Ministerpräsident von Sachsen. Deswegen kann er nicht ins Kabinett Merkel wechseln. Er gilt als konservativ: 2016 erarbeitete er beispielsweise mit anderen einen Aufruf zu einer "deutschen Leit- und Rahmenkultur". Die Ehe für alle lehnte er ab. Gelingt es ihm, bei der Landtagswahl 2019 zu verhindern, dass die AfD in Sachsen stärkste Kraft vor der CDU wird, wird er in Zukunft zu den wichtigen Figuren in der Partei gehören.

Mike Mohring: Der Landes- und Fraktionsvorsitzende der CDU in Thüringen hat es, anders als viele andere Landespolitiker, in den vergangenen Jahren durch provokante Äußerungen immer wieder in überregionale Medien geschafft. Er forderte immer wieder, dass die CDU ihr konservatives Profil schärfen müsse. Nach der Bundestagswahl 2017 warnte er allerdings auch vor einem "Überbietungswettbewerb" mit der AfD. Der 46-Jährige will 2019 die rot-rot-grüne Regierung in Thüringen ablösen und selbst Ministerpräsident werden. Gelingt ihm das, dürfte auch er in Zukunft zu den einflussreichen Personen in der CDU gehören.