Die CDU hat auf ihrem Parteitag in Berlin für eine große Koalition mit der SPD gestimmt. Für den Koalitionsvertrag votierten fast 97 Prozent der 975 Delegierten.

Ob es am Ende tatsächlich zu einem neuen Regierungsbündnis zwischen Union und SPD kommt, hängt nun von den Sozialdemokraten ab. Am kommenden Sonntag wird feststehen, ob auch die SPD-Mitglieder einer neuen großen Koalition zugestimmt haben. Sie können noch bis Freitag postalisch über den Koalitionsvertrag abstimmen.

Die Delegierten wählten mit Annegret Kramp-Karrenbauer eine neue Generalsekretärin. Sie erhielt 98,87 Prozent der abgegebenen Stimmen. Die bisherige Ministerpräsidentin des Saarlands war von Kanzlerin Angela Merkel für das Amt vorgeschlagen worden. Kramp-Karrenbauer tritt die Nachfolge von Peter Tauber an, der das Amt niedergelegt hatte. 

Vor der Abstimmung auf dem CDU-Parteitag hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel die Delegierten auf eine neue große Koalition eingestimmt. Der "heutige Parteitag ist keine Routine in einer ganz gewöhnlichen Regierungsbildung", sagte die CDU-Chefin. Dass Deutschland fünf Monate nach der Bundestagswahl noch immer keine Regierung habe stelle eine schwierige, nicht gekannte Situation dar. Und ihre Partei müsse sich fragen, warum das Wahlergebnis vom September so schlecht war, obwohl "das Land gut dasteht, die Wirtschaft wächst, die Steuereinnahmen steigen".

Zugleich hatte Merkel den Politikstil der vergangenen Wochen kritisiert. "Keiner sollte sich etwas vormachen, welches Bild in den vergangenen Wochen Politik abgegeben hat: welcher Stil, welche Taktiererei, welch selbstbezogenes Herummosern die ganze Debatte gekennzeichnet hat", sagte die Kanzlerin.

"Wir haben viel durchgesetzt"

In ihrer Rede hatte Merkel eingeräumt, dass die CDU in den Verhandlungen mit der SPD einige Kompromisse habe eingehen müssen. "Aber wir haben auch viel durchgesetzt", sagte die Kanzlerin.

Die geplante Ressortverteilung für eine neue große Koalition verteidigte Merkel. Das Wirtschaftsministerium, das künftig von der CDU geführt werden soll, sei das "Kraftzentrum der sozialen Marktwirtschaft", sagte Merkel. "Ich bemerke mit ein wenig Befremden, wie auf einmal von einigen über das Wirtschaftsministerium geredet wird."

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Die Kanzlerin hatte am Wochenende ihre Kandidaten für die CDU-Kabinettsposten in einer neuen großen Koalition bekanntgegeben. Für ihre Entscheidung erhielt sie viel Lob von unterschiedlichen Teilen ihrer Partei.