EU-Haushaltskommissar Günther Oettinger (CDU) erwartet von Deutschland höhere Beiträge zum EU-Haushalt. Es gebe neue Aufgaben wie den Grenzschutz oder den Kampf gegen den Terrorismus, sagte Oettinger der Bild. "Mit einem Zuschlag von mindestens drei oder 3,5 Milliarden Euro aus Deutschland könnten wir die Lücke schließen, die der Brexit hinterlässt und zusätzliche Aufgaben finanzieren." Pro Kopf der Bevölkerung wären das etwa zehn Cent pro Tag mehr als jetzt, sagte er.

Auf höhere Zahlungen an die EU hatten sich auch Union und SPD bei den Verhandlungen über eine Neuauflage der großen Koalition geeinigt. "Wir sind zu höheren Beiträgen Deutschlands zum EU-Haushalt bereit", heißt es im Koalitionsvertrag, über den die SPD-Mitglieder aber noch abstimmen werden. Deutschland ist der größte Nettozahler der EU. 2016 zahlte es 12,9 Milliarden mehr in den EU-Haushalt ein, als aus EU-Töpfen ins Land zurückflossen. 

Der CDU-Politiker wehrte sich jedoch gegen ein "Ende des Spardiktats", für das sich SPD-Chef Martin Schulz kürzlich gesprochen hatte. "Die Brexit-Lücke von zwölf bis 14 Milliarden Euro pro Jahr müssen wir etwa zur Hälfte durch Kürzungen im bestehenden Haushalt ausgleichen", sagte Oettinger. "Dass es im EU-Haushalt keine Schulden gibt, daran wird ebenfalls nicht gerüttelt."

Für die nächste Erweiterungsrunde des Euro sieht Oettinger Bulgarien mit guten Voraussetzungen. "Bulgarien erfüllt bereits wichtige Voraussetzungen, hat wenig Altschulden, macht keine neuen und könnte in den nächsten fünf bis sieben Jahren bereit sein für den Euro."