Das Baukindergeld soll Familien dabei helfen, sich den Traum vom Eigenheim zu erfüllen – und indirekt die Eigenheimquote erhöhen, die in Deutschland viel niedriger ist als in anderen Ländern.

Fraglich ist allerdings, ob einkommensschwächere Familien tatsächlich davon profitieren werden. Warum? Die konkrete Umsetzung muss zwar noch in einem Gesetz formuliert werden, wahrscheinlich ist aber, dass die Zulage nur für Kaufverträge und Baugenehmigungen gelten wird, die ab einem bestimmten Stichtag neu abgeschlossen worden sind. Das heißt: Familien müssten auch weiterhin zunächst das erforderliche Eigenkapital aufbringen, um überhaupt kaufen oder bauen zu können – erst dann kommen sie in den Genuss der Zulage. Banken verlangen in der Regel mindestens zwanzig Prozent vom Kaufpreis als Eigenkapitalanteil, auch um die Kaufnebenkosten zu bezahlen: Gerade die Grunderwerbssteuer macht einen Immobilienkauf teuer. Sie schwankt von Bundesland zu Bundesland stark, von 3,5 bis 6,5 Prozent. Auch die Maklerprovision unterscheidet sich je nach Bundesland. Während Käufer in Berlin und Brandenburg beispielsweise 7,14 Prozent bezahlen müssen, fallen in Bayern 3,57 Prozent an. Für Notars- und Grundbuchgebühren werden im Schnitt 1,5 Prozent des Kaufpreises fällig. 

Das Problem sind die Kaufnebenkosten

Wer eine Immobilien kaufen möchte, hat im Moment aber vor allem mit sehr hohen Preisen zu kämpfen. Ein Beispiel: In Berlin kostet eine Eigentumswohnung mit vier Zimmern im Schnitt mittlerweile gut 400.000 Euro. Für die Grunderwerbssteuer werden bei diesem Preis 24.000 Euro fällig. Kommt noch eine Maklerprovision dazu, müssen weitere 28.560 Euro gezahlt werden. Und 6.000 Euro kosten in diesem Beispiel der Notar und die Gebühren für den Grundbucheintrag. All diese Kosten müssen auf einen Schlag bezahlt werden. Sprich: Die Familie muss mindestens  58.560 Euro zur Verfügung haben, um die Wohnung kaufen zu können. Und eigentlich deutlich mehr, denn die Bank verlangt meist noch weiteres Eigenkapital, um überhaupt zu finanzieren.

Denkbar ist, dass die Aussicht auf das Baukindergeld den Banken und Kreditinstituten mehr Spielraum für die Kreditvergabe gibt und sie auch bei weniger Eigenkapital die Finanzierung übernehmen. Denn die neue Zulage stellt nichtsdestotrotz eine erhebliche Erleichterung für die Finanzierung dar: Eine vierköpfige Familie bekommt für ihre zwei Kinder immerhin 24.000 Euro staatliche Zulage über einen Zeitraum von zehn Jahren – und das entspricht auch der durchschnittlichen Laufzeit eines Immobilienkredits. Das Problem, dass für die hohen Kaufnebenkosten eine Menge Eigenkapital aufgebracht werden muss, wird aber nicht gelöst. Auch in Zukunft dürften sich den Traum vom Eigenheim eher Familien aus der Mittelschicht erfüllen können, die das Geld entweder über mehrere Jahre ansparen oder das nötige Eigenkapital erben.

Neuauflage der Eigenheimförderung

Das Baukindergeld gab es übrigens schon einmal – zwischen 1996 bis 2005 als Teil der Eigenheimzulage. Eltern konnten beim Bau oder Kauf eines neuen Eigenheims zur Selbstnutzung eine Zulage in Höhe von 1.500 D-Mark pro Kind und Jahr beantragen, das waren umgerechnet 767 Euro. Zwischen 2004 und Ende 2005 wurden 800 Euro pro Kind und Jahr bezahlt. Die Eigenheimförderung konnte allerdings gerade von Familien mit einem geringen Einkommen nicht in Anspruch genommen werden, weil ihnen meist das Eigenkapital fehlte. Und wegen der erhöhten Nachfrage durch Familien aus der Mittelschicht stiegen die Immobilien- und Grundstückspreise generell. Daher erwies sich die Zulage eher als Konjunkturprogramm für die Bau- und Immobilienbranche.

Einen ähnlichen Effekt könnte das Baukindergeld haben, argumentieren Kritiker. Die Zulage könnte auch dazu führen, dass besonders in den Städten, wo bezahlbarer Wohnraum heute schon knapp und die Immobilienpreise hoch sind, die Preise noch weiter steigen. Dabei können sich viele auch mit einem guten Einkommen in Ballungsräumen wie München schon heute keine Eigentumswohnung mehr leisten.

Viele Ökonomen kritisieren außerdem, dass die Baufinanzierung wegen des niedrigen Zinsniveaus derzeit sowieso extrem günstig ist. Sollten die Zinsen wieder ansteigen und haben sich einkommensschwache Familien wegen des Baukindergelds dann verschuldet, könnte das Risiko groß sein, dass sie die Immobilienkredite nicht mehr bedienen können – dann droht eine Zwangsversteigerung. Ausgerechnet der Staat würde dann Anreize für eine Immobilienblase schaffen.

Das Baukindergeld dürfte also gerade der Mittelschicht zugutekommen und somit jene fördern, die auch heute schon eine Immobilie finanzieren können. Um jungen Familien mit wenig Eigenkapital beim Bau oder Kauf der eigenen vier Wände zu helfen, könnte auch ein staatliches Kreditprogramm helfen. Entlasten würde es Käufer zudem, wenn der Verkäufer für die Maklerprovision aufkäme – wie schon bei Mietwohnungen. Außerdem könnte die Grunderwerbssteuer für die erste selbstgenutzte Immobilie stark abgesenkt oder ganz abgeschafft werden. Doch mit solchen Initiativen ist in dieser Koalition nicht zu rechnen.