Deutschland wird zum ersten Mal algerische Juden für die Verfolgung während des Nationalsozialismus entschädigen. Das hat die Bundesregierung nach Verhandlungen mit der Jewish Claims Conference vereinbart. Es geht um eine Gruppe von schätzungsweise 25.000 Holocaustüberlebenden, die zwischen Juli 1940 und November 1942 in Algerien lebten. Sie sollen eine einmalige Zahlung von jeweils 2.556 Euro erhalten, wie das Bundesfinanzministerium mitteilte.

"Die Zahlung ist ein kleiner Teil der Gerechtigkeit, die diese Überlebenden verdient haben, aber die Anerkennung ist wichtig, und wir werden weiter kämpfen, bis jeder Überlebender anerkannt worden ist", sagte Rüdiger Mahlo, Repräsentant der Claims Conference in Deutschland. Die Maßnahme sei eine überfällige Anerkennung für Juden in Algerien, sagte auch Greg Schneider, Vizepräsident der Organisation. Diese Gruppe habe unter anderem mit Beschränkungen im Bereich der Bildung, des politischen Lebens und der Arbeit kämpfen müssen. Ihnen sei die französische Staatsbürgerschaft entzogen worden und sie seien "ausgesondert worden, nur weil sie Juden waren".

Die Conference on Jewish Material Claims ist ein Dachverband jüdischer Organisationen, die sich für die Entschädigung der Opfer von NS-Verbrechen einsetzen. Nach Angaben der Organisation hat Deutschland seit 1952 als Ergebnis von Verhandlungen umgerechnet rund 56 Milliarden Euro Entschädigung an Opfer des Holocaust gezahlt. Die Überlebenden aus Algerien seien vermutlich die letzte große Gruppe, die eine solche Entschädigung von Deutschland erhalten werde, sagte Greg Schneider der israelischen Zeitung Haaretz.

Algerien war bis zu seiner Unabhängigkeit 1962 eine französische Kolonie. Anfang der 1940er Jahre stand es unter der Herrschaft des Vichy-Regimes, das mit dem NS-Regime verbündet war. Nach Angaben der israelischen Holocaustgedenkstätte Jad Vaschem lebten bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs 1939 rund 120.000 Juden in Algerien. Die Organisation will nun Büros in Paris und anderen französischen Städten einrichten, in denen sich Betroffene für die Zahlungen registrieren können. Die meisten algerischen Überlebenden der NS-Zeit leben in Paris.