Das Verhandlungsergebnis der CDU in den Koalitionsgesprächen wird in der Partei weiterhin stark kritisiert. Der Vorsitzende der Nachwuchsorganisation Junge Union, Paul Ziemiak, verlangte ein Zeichen der Erneuerung. "Wir fordern einfach die Einbindung jüngerer Personen, junger Politiker auch in die Bundesregierung und Parteiführung ein", sagte Ziemiak im Deutschlandfunk. Er erwarte bis zum CDU-Parteitag am 26. Februar ein klares Zeichen von Kanzlerin und Parteichefin Angela Merkel, wie es personell in der Regierung und der Partei weitergehe. Auf dem Parteitag wird über den Koalitionsvertrag abgestimmt, den CDU, CSU und SPD ausgehandelt haben.

Im Gespräch mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland verwies Ziemiak darauf, dass noch nicht alle Ressorts in der künftigen Bundesregierung offiziell besetzt seien. "Wir brauchen mehr junge Gesichter in der Regierung, wenn wir über die Zukunft Deutschlands sprechen wollen", sagte der JU-Chef. Auch in der Partei sei ein Generationswechsel nötig. Im Deutschlandfunk plädierte Ziemiak dafür, sich über die Zeit nach Merkel Gedanken zu machen. "Wir müssen immer daran interessiert sein, einen Nachfolger, eine Nachfolgerin aufzubauen."

Werde diese Erneuerung nicht vorangetrieben, "wird die Stimmung sehr, sehr schlecht bleiben", sagte Ziemiak. "Es brodelt eigentlich an allen Stellen." Viele in der Partei seien der Meinung, dass die CDU nicht gut verhandelt habe. Das gelte gerade in Hinblick auf den Verlust des Finanzministeriums für die Partei. Ziemiak räumte aber ein, dass seine Partei inhaltlich viel erreicht habe.

Kritik von Friedrich Merz

Die SPD, die bei der Bundestagswahl im September 2017 deutlich schwächer als die Union abgeschnitten hatte, würde dem Koalitionsvertrag zufolge sechs Ministerien besetzen, darunter die besonders wichtigen für Finanzen, Äußeres und Arbeit/Soziales. Die CDU würden neben der Kanzlerschaft und dem Kanzleramtschef fünf Ressorts übernehmen. Sie überließ auch das Innenministerium der Schwesterpartei CSU, die drei Minister stellt.

Kritik an dieser Ressortverteilung übte auch der frühere Unionsfraktionschef im Bundestag, Friedrich Merz. "Wenn die CDU diese Demütigung auch noch hinnimmt, dann hat sie sich selbst aufgegeben", sagte Merz der Bild-Zeitung. Der CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen beklagte in der Zeitung ebenfalls die Verteilung der Ministerien: "Die CDU ist damit innerhalb des Regierungsapparats strukturell geschwächt und verliert an Einfluss."

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Christian von Stetten nannte die Ressortverteilung einen "politischer Fehler". Sein Fraktionskollege Michael von Abercron befand: "Die Autorität der Kanzlerin ist nicht nur innerhalb der Partei erschüttert, sondern auch in ihrer Amtsführung als Regierungschefin."

In der Rheinischen Post forderte der CDU-Bundestagsabgeordnete Klaus-Peter Willsch den sofortigen Beginn der personellen Neuaufstellung an der Parteispitze. "Wir müssen uns in der CDU schon jetzt überlegen, wie wir uns ohne Merkel personell neu aufstellen", sagte Willsch. "Denn diese Legislaturperiode kann auch sehr schnell vorbei sein."