Die SPD hat vor dem wahrscheinlichen Mitgliedervotum über eine erneute große Koalition Tausende Neumitglieder aufgenommen. Zwischen Neujahr und dem Stichtag für die Abstimmung am 6. Februar seien 24.339 Menschen der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands beigetreten, twitterte ihr Generalsekretär Lars Klingbeil nach Ablauf der Frist um 18 Uhr. Damit könnten insgesamt 463.723 Sozialdemokraten über den geplanten Koalitionsvertrag mit der Union abstimmen.

Die SPD hatte noch vor den Sondierungen mit CDU und CSU angekündigt, einen möglichen Koalitionsvertrag den Mitgliedern zur Abstimmung vorzulegen. Gegner einer erneuten großen Koalition, allen voran der Vorsitzende der Jungsozialisten, Kevin Kühnert, hatten daraufhin mit dem Slogan "Tritt ein, sag nein" intensiv um Neumitglieder geworben, um ein Veto der Parteibasis zu erreichen. Kühnert beanspruchte den Mitgliederzuwachs für seinen Verband: "In aller Bescheidenheit: Die Jusos nehmen gerne einen SPD-Toaster für besondere Verdienste um die Mitgliederentwicklung unserer Partei entgegen", twitterte er.

Abstimmen kann jedoch nur, wer bis zum 6. Februar 18 Uhr in die Partei eingetreten ist und vom zuständigen Ortsverband angenommen und ins Mitgliederverzeichnis eingetragen wurde.

Seit dem Parteitag, auf dem die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen beschlossen worden war, haben die Landesverbände von zahlreichen Eintritten berichtet. Teilweise mussten Helfer Sonderschichten einlegen, um sie zu bearbeiten. Das Ergebnis des Mitgliedervotums soll in drei bis vier Wochen vorliegen – vorausgesetzt, Union und SPD einigen sich wie geplant auf einen Koalitionsvertrag. Denkbar wäre, dass am Wochenende vom 3./4. März ausgezählt und ein Ergebnis bekannt gegeben wird.

Der Ausgang der Mitgliederbefragung ist ungewiss. Nach den Sondierungsgesprächen mit der Union hatte ein außerordentlicher Parteitag auf Grundlage der Sondierungsergebnisse zwar Koalitionsverhandlungen mit knapper Mehrheit zugestimmt. Die Mandatsträger gelten jedoch als linientreuer als die Genossen an der Basis, die keine Parteiposten oder Mandate innehaben. Außerdem hatten viele ihre Zustimmung mit der Erwartung verbunden, dass die SPD in wesentlichen Punkten der Sondierungsergebnisse nachverhandelt.

Damit das Votum gültig ist, müssen sich 20 Prozent der Stimmberechtigten beteiligen. Als die SPD 2013 schon einmal ihre Basis über den Koalitionsvertrag mit der Union entscheiden ließ, waren 474.820 Menschen stimmberechtigt. 78 Prozent beteiligten sich am Mitgliedervotum, 76 Prozent stimmten für eine große Koalition.