Der AfD-Abgeordnete Roman Reusch ist im zweiten Anlauf doch in das Parlamentarische Kontrollgremium (PKGr) des Bundestages gewählt worden. Für den Berliner Oberstaatsanwalt stimmten 378 Abgeordnete und damit 23 mehr, als es für eine Mehrheit erforderlich wäre. Diese Mehrheit hatte Reusch bei einer ersten Wahl Mitte Januar noch verfehlt. Ungeachtet dessen hatte seine Partei an ihm als ihren Kandidaten festgehalten.

Das neunköpfige Parlamentarische Kontrollgremium überwacht die Arbeit der Nachrichtendienste des Bundes. Die Mitglieder erhalten Einblicke auch in geheime Sachverhalte aus der Tätigkeit des Bundesnachrichtendienstes (BND), des Militärischen Abschirmdienstes (MAD) und des Bundesamts für Verfassungsschutz (BfV). Die Abgeordneten tagen regelmäßig unter strenger Geheimhaltung in einem abhörsicheren Raum.

Acht Parlamentarier wurden bereits vor zwei Wochen in das Gremium gewählt, doch den AfD-Kandidaten Reusch ließ der Bundestag durchfallen. Partei- und Fraktionschef Alexander Gauland drohte dem Parlament daraufhin mit "Krieg", und nur wenige Stunden später erzwang die AfD den Abbruch der Plenarsitzung: Per Hammelsprung ließ sie am späten Abend die Beschlussunfähigkeit des Bundestags feststellen. Gauland sprach anschließend von einer "Revanche für die Nicht-Wahl von Roman Reusch".

Diesmal erhielt der frühere Berliner Staatsanwalt 378 Ja-Stimmen. Gegen den Juristen, der seit 2013 der AfD angehört, votierten 205 Abgeordnete, 94 Parlamentarier enthielten sich der Stimme. Reusch vertritt eine harte Linie in der Ausländerpolitik und plädiert dafür, im Ausland Gefängnisse zu errichten, in denen straffällig gewordene Ausländer ihre Haft verbüßen sollen. Nach seiner Wahl twitterte die stellvertretende AfD-Fraktionschefin Beatrix von Storch: "Besser spät als nie."

Bereits am Mittwoch wurden drei AfD-Abgeordnete zu Vorsitzenden von Bundestagsausschüssen gewählt. So leitet Peter Boehringer in dieser Legislaturperiode den Haushalts-, Stephan Brandner den Rechts- und Sebastian Münzenmaier den Tourismusausschuss des Parlaments. AfD-Fraktionschefin Alice Weidel verteidigte die Wahl der Abgeordneten, deren "Qualifikation außer Frage" steht. Politiker von Union, SPD, Grünen und Linken kritisierten die früheren sexistischen und rassistischen Aussagen der Rechtspopulisten oder, wie im Fall von Münzenmaier, eine Verurteilung zu einer sechsmonatigen Bewährungsstrafe wegen Beihilfe zur gefährlichen Körperverletzung bei einem Angriff von Hooligans auf gegnerische Fußballfans.