Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel hat mit ihren Aussagen in einem ZDF-Interview gemischte Reaktionen in ihrer Partei hervorgerufen. Die Jugendorganisation der CDU, die Junge Union (JU), reagierte zufrieden auf Merkels Ankündigung, im neuen Kabinett junge und erfahrene Minister aufstellen zu wollen. "Gestern war doch ein gutes Zeichen", sagte der Vorsitzende Paul Ziemiak im ZDF-Morgenmagazin. Die JU hatte zuvor gefordert, dass die Personen für das CDU-Kabinett bis zum Parteitag am 26. Februar vorliegen müssten. "Sie hat verstanden und hat das gestern Abend im ZDF kundgetan, dass es diese Liste geben wird", sagte Ziemiak. Es gehe jetzt um die Frage, wie sich die Union für die Zukunft aufstellen und wie sie die Mitglieder einbinden werde.

Auch Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier sagte der Bild-Zeitung: "Die Kanzlerin hat verstanden." Merkel werde der CDU "ein klares Signal in Richtung personelle Erneuerung vor dem Parteitag geben." Thüringens Landesparteichef Mike Mohring sprach von einem "wichtigen Schritt nach vorn", Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer sagte den ARD-Tagesthemen: "Wir brauchen einen Schwung im Kabinett."

Der Bundestagsabgeordnete Klaus-Peter Willsch äußerte sich nach dem Auftritt Merkels hingegen enttäuscht: "Der Versuch, mit dem üblichen 'Weiter so' das schlechte Verhandlungsergebnis und die Wahlschlappe von September schönzureden, hat mich nicht überzeugt. Wir müssen uns in der CDU schon jetzt überlegen, wie wir uns ohne Merkel personell neu aufstellen", sagte er der Bild. Merkel hatte in dem Interview angekündigt, dass sie über die volle Legislaturperiode sowohl Bundeskanzlerin als auch Parteichefin bleiben wolle.  

Alternativlose Vereinbarungen

Weil das Finanzministerium in den Koalitionsverhandlungen der SPD zugesprochen wurde, war Merkel parteiintern heftig kritisiert worden. EU-Haushaltskommissar Günther Oettinger verteidigte Merkel im Deutschlandfunk – der Verlust sei nicht tragisch. Er erinnert an die Zeit, in der Peer Steinbrück als SPD-Finanzminister eine sehr gute Finanz- und Haushaltspolitik gemacht habe. Er sehe Merkel als "unverändert stark". Merkel werde in den kommenden Jahren die richtigen Weichen für eine geordnete Nachfolgeregelung stellen.

Der ehemalige Bundestagsabgeordnete Wolfgang Bosbach sagte der Rheinischen Post, dass er trotz der Kritik an Merkel nicht mit einem Umsturzversuch rechne. "Die Kanzlerin wird auf dem Parteitag erklären, dass alle Vereinbarungen mit der SPD alternativlos sind, und die Partei wird dem mit großer Mehrheit zustimmen", sagte Bosbach. Auch er kritisierte die Ministerienaufteilung. Viele Mitglieder und Wähler der CDU würden sich doch zu Recht fragen: "Die Union hat bei der Wahl deutlich besser abgeschnitten als die SPD. Warum spiegelt sich das im Koalitionsvertrag nicht wider?", so Bosbach.

Das Interview bescherte der ZDF-Sendung Berlin direkt nach Angaben des Senders die besten Einschaltquoten seit 18 Jahren. Im Schnitt hatten 5,25 Millionen Zuschauer eingeschaltet, der Marktanteil lag bei 16,5 Prozent.