Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) hat beteuert, er wolle nicht um jeden Preis im Amt bleiben. Im Interview mit der Braunschweiger Zeitung sagte Gabriel: "Ich halte nichts davon, um Ämter zu kämpfen und sich daran zu klammern. Wir sind nun mal Gewählte und keine Erwählten".

An der Personaldebatte für Regierungsämter in einer neuen großen Koalition wolle er sich nicht beteiligen. Einen erfahrenen Außenminister werde es geben, "der muss aber nicht Sigmar Gabriel heißen", sagte er.

Der Minister legte zudem dar, dass es eine Missdeutung sei, seine Bemühung um die Freilassung von Deniz Yücel oder seinen Auftritt auf der Münchner Sicherheitskonferenz als Bewerbung um den Posten des Außenministers zu verstehen – "welch ein Unsinn", sagte Gabriel. Diese Interpretation entstehe in "Zeiten des großen Verdachts". Und fügte hinzu: "Wenig wird als das genommen, was es ist. Hinter allem steckt angeblich immer ein geheimer Plan, eine Taktik." 

Zu seiner Zukunft machte Gabriel keine konkreten Angaben, sagte aber, dass er einen Wechsel aus der Politik in die Wirtschaft nicht grundsätzlich für verwerflich halte. Auf die Frage, ob er sich einen Posten in der Wirtschaft vorstellen könnte, stelle er die Gegenfrage: "Warum sollen Menschen aus der Wirtschaft nicht in die Politik gehen können und umgekehrt?"

Über seine Beziehung zum gescheiterten SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz sagte Noch-Vizekanzler Gabriel, sie hätten sich "ausgesprochen" und würden sich "freundschaftlich treffen". Nachdem Martin Schulz den Posten des Außenministers in einer neuen Regierungskoalition mit der Union reklamiert hatte, hatte Gabriel den damaligen Parteichef mit kritisiert und sich verärgert darüber gezeigt, dass er nicht in die Pläne der Parteispitze eingeweiht worden war. Gabriel hatte sich für die Form seiner Kritik entschuldigt und sagte der Braunschweiger Zeitung, der Streit sei beigelegt – schließlich sei das Leben "zu kurz für dauerhafte Verärgerung".