Der geschäftsführende Vizekanzler und Außenminister Sigmar Gabriel (SPD), der der neuen Regierung voraussichtlich nicht mehr angehören wird, macht der Parteiführung schwere Vorwürfe: "Was bleibt, ist eigentlich nur das Bedauern darüber, wie respektlos bei uns in der SPD der Umgang miteinander geworden ist und wie wenig ein gegebenes Wort noch zählt", sagte Gabriel den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Welches Versprechen er meint, sagte er nicht. Gabriel hatte im Januar zugunsten von Martin Schulz auf den Parteivorsitz und die Kanzlerkandidatur verzichtet und wurde Außenminister. Beobachter vermuten, dass Schulz ihm damals für den Fall einer neuen großen Koalition versprochen hat, dass er das Außenamt behalten darf. 

Die SPD hatte diese Woche ihre Koalitionsverhandlungen mit der Union abgeschlossen. Am Mittwoch wurden die Ergebnisse vorgestellt, die nun noch insbesondere von den Mitgliedern der SPD abgesegnet werden müssen. Schulz kündigte an, dass er den Parteivorsitz an die Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Andrea Nahles, abgeben und selbst Außenminister werden wolle – obwohl er nach der Wahl ausgeschlossen hatte, in ein Kabinett von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) einzutreten. Für Gabriel ist derzeit, nach allem, was man über die Ressortverteilung weiß, kein Ministerposten vorgesehen.

Gabriel sagte allerdings auch, dass er die Personalentscheidung nicht kritisiere, da jede neue SPD-Führung das Recht auf die Neubesetzung von Ministerposten habe. Politiker seien "Gewählte und keine Erwählten".

"Öffentliche Wertschätzung meiner Arbeit war der neuen Parteiführung herzlich egal"

Der Minister sagte den Zeitungen außerdem: "Ich habe das Amt des Außenministers gern und in den Augen der Bevölkerung offenbar auch ganz gut und erfolgreich gemacht. Und da ist es ja klar, dass ich bedauere, dass diese öffentliche Wertschätzung meiner Arbeit der neuen SPD-Führung herzlich egal war." Er wisse, dass in der Politik auch schon mal mit harten Bandagen gestritten werde. "Aber es sollte mit offenem Visier erfolgen."

Gabriel sagte weiter: "Ich komme wohl noch zu sehr aus einer analogen Welt, in der man sich nicht immer nur umschleicht, sondern sich einfach mal in die Augen schaut und die Wahrheit sagt. Das ist scheinbar aus der Mode gekommen."

"Für mich beginnt jetzt eine neue Zeit", sagte Gabriel weiter. "Meine kleine Tochter Marie hat mir heute früh gesagt: 'Du musst nicht traurig sein, Papa, jetzt hast du doch mehr Zeit mit uns. Das ist doch besser als mit dem Mann mit den Haaren im Gesicht.'"

Im Laufe des Donnerstags wurde bekannt, dass Gabriel am Mittwoch seine Teilnahme an der Münchner Sicherheitskonferenz abgesagt hat.