Die designierte SPD-Chefin Andrea Nahles hat sich erstmals in der Debatte um eine mögliche Urwahl des Parteivorsitzes geäußert und dabei ein solches Verfahren für die Zukunft nicht ausgeschlossen. "Wir werden diskutieren und prüfen, wie wir unsere Mitglieder noch stärker beteiligen", sagte sie der Augsburger Allgemeinen. "Dazu nehmen wir uns in unserem Erneuerungsprozess ausreichend Zeit."

Nahles selbst soll auf einem Sonderparteitag am 22. April zur neuen SPD-Chefin gewählt werden. Bis dahin führt der Vizevorsitzende Olaf Scholz kommissarisch die Partei, der sich allerdings zuletzt gegen eine Urwahl ausgesprochen hatte. Die Wahl des SPD-Chefs durch einen Parteitag sei ein bewährtes Verfahren, argumentierte er. Zudem müsse für eine Urwahl erst die Satzung geändert werden.

Ministerposten noch nicht vergeben

Derzeit treten Nahles und Scholz auf verschiedenen Diskussionsveranstaltungen auf, um an der Parteibasis für eine Zustimmung der SPD-Mitglieder zum Koalitionsvertrag mit der Union zu werben. Bis Anfang März sollen die 460.000 SPD-Mitglieder darüber abstimmen, das Ergebnis soll dann am 4. März vorliegen. Nahles zeigte sich optimistisch, dass es eine Mehrheit für die eine neue große Koalition geben wird: "Ich bin sehr zuversichtlich, dass unsere Mitglieder den gesellschaftlichen Fortschritt erkennen, der im Verhandlungsergebnis des Koalitionsvertrags steckt."

Zu den Namen möglicher SPD-Minister hielt sich die derzeitige Führungsspitze der Sozialdemokraten bedeckt. "Wir werben mit guten Gründen dafür, dass wir in diese Regierung eintreten und die Erfolge des Koalitionsvertrags umsetzen", sagte etwa Nahles. "Mit welchem Personal wir das tun, klären wir, wenn wir dazu den Auftrag haben."

Parteivize Scholz äußerte sich ähnlich. Erst wenn die Mitglieder zugestimmt haben, "werden wir die Frage, wer ins Kabinett geht, miteinander diskutieren und entscheiden", sagte der Hamburger Bürgermeister im ZDF, der selbst als möglicher Finanzminister in einer neuen Koalition mit der Union gehandelt wird. Insgesamt sind sechs Bundesministerien für die SPD vorgesehen.