Eine Aschermittwochsveranstaltung in der Heimat bringt die geschäftsführende SPD-Familienministerin Katarina Barley in Erklärungsnot. Beim Aschermittwochs-Heringsessen im rheinland-pfälzischen Zemmer bei Trier sagte Barley laut Trierischem Volksfreund, falls es zu einer Regierungsbildung komme, komme man an ihr als Ministerin nicht vorbei. Sie könne sich vorstellen, weiter Familienministerin zu bleiben oder auch Arbeitsministerin zu werden. Auch als Außenministerin stehe sie zur Verfügung, zitierte das Blatt die SPD-Frau. Sie sei so etwas wie die "Universalwaffe" ihrer Partei.

Tatsächlich gibt es manche SPDler, die Barley Chancen als Deutschlands oberste Chefdiplomatin einräumen. Schließlich hat der glücklose SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz wegen des innerparteilichen Drucks seinen Plan aufgegeben, Außenminister zu werden. Und sein Konkurrent, der amtierende Minister Sigmar Gabriel, hat durch umstrittene Äußerungen seine Chancen auf eine Fortführung des Amtes verkleinert. Also wird in der SPD-Führung händeringend nach personellen Alternativen für den Job gesucht.

Eine Sprecherin der SPD-Politikerin bestätigte Barleys Aussagen, bat aber, sie "mit einem Augenzwinkern zu verstehen". Zum politischen Aschermittwoch gehöre schließlich Selbstironie und Zuspitzung. 

Die CDU legt vor

Nach den Machtkämpfen der vergangenen Tage hat sich die SPD-Führung eigentlich vorgenommen, nicht mehr über Personalien zu sprechen, bis der SPD-Mitgliederentscheid über die große Koalition am 4. März entschieden ist. Bewusst sollen bis dahin auf SPD-Seite auch keine Ministernamen genannt werden.

Nur Schulz machte eine Ausnahme. Weil er mehrfach ausgeschlossen hatte, in ein Kabinett unter Angela Merkel einzutreten, war der öffentliche Druck groß, sich vor dem Mitgliederentscheid zu erklären: Schulz kündigte an, Außenminister werden zu wollen, musste aber wenige Tage später wegen des großen innerparteilichen Ärgers auf diesen "Wortbruch" zurückziehen. Nun ist der Posten vakant.

In der Partei gilt der Hamburger Bürgermeister Olaf Scholz für eine mögliche neue Regierung als Finanzminister und Vizekanzler gesetzt. Offiziell bestätigt ist die Personalie nicht. Scholz führt in den kommenden Wochen auch kommissarisch die Geschäfte als SPD-Chef, weil Schulz mit sofortiger Wirkung zurückgetreten ist.

Gute Chancen auf ein Ministeramt haben neben Scholz und Barley auch der bisherige Justizminister Heiko Maas und die Berliner SPD-Abgeordnete Eva Högl. Es gibt aber vermehrt auch den Wunsch nach einem Ostdeutschen oder einer Ostdeutschen im neuen Bundeskabinett. Andrea Nahles will Fraktionsvorsitzende bleiben und nicht in die Regierung eintreten – sie soll auf einem Sonderparteitag im April außerdem zur neuen SPD-Chefin gewählt werden.

Der Druck auf die SPD, sich zu ihren Personalien zu bekennen, könnte in der nächsten Woche wachsen: Bundeskanzlerin Angela Merkel hat versprochen, die Besetzung der CDU-Minister vor dem Bundesparteitag ihrer Partei am 26. Februar bekannt zu geben. Auch die CSU könnte dann ihre Personalien nennen.