Der stellvertretende SPD-Chef Olaf Scholz hat die Kritik von Außenminister Sigmar Gabriel an der Parteiführung zurückgewiesen. Bei der SPD werde ein guter Umgang miteinander gepflegt, sagte der Hamburger Bürgermeister im heute-journal des ZDF. Gabriel hatte der SPD-Spitze zuvor Respektlosigkeit und Wortbruch vorgeworfen, nachdem bekannt wurde, dass Parteichef Martin Schulz das Außenministerium künftig für sich beansprucht.

Scholz nannte Schulz' Schritt unter Verweis auf dessen außenpolitische Erfahrung als ehemaliger EU-Parlamentspräsident "eine sehr nachvollziehbare Entscheidung". Mit Blick auf die Personaldebatte sagte er: "Das Wichtigste ist, dass alle, die als Person in der Politik aktiv sind, immer einen Blick dafür behalten, dass es um die Sache geht – und in diesem Fall ist das unser Land." Er lobte zudem die Arbeit von Gabriel: Dieser habe "als Parteivorsitzender Hervorragendes geleistet und zuletzt auch als Außenminister", sagte Scholz.

Der frühere Bundestagsfraktionschef Thomas Oppermann, der sein Amt an Andrea Nahles verloren hatte, sagte dem ZDF mit Blick auf Gabriel: "Ämter werden nur auf Zeit vergeben. Damit muss er sich abfinden, und ich glaube, das schafft er auch."

Eine Belastung für das Mitgliedervotum über die Koalitionsvereinbarung sieht Scholz nicht: "Ich bin überzeugt, dass sich die Mitglieder an dem orientieren, was für die Bürgerinnen und Bürger des Landes erreicht wurde." Ähnlich äußerte sich SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil im Gespräch mit der dpa. "Nein", sagte er auf die Frage, ob die Personalie Schulz zur Belastung für die Abstimmung werde. Es gehe um Inhalte. "Wir haben ein gutes Ergebnis mit überzeugenden sozialdemokratischen Inhalten verhandelt. Ich bin zuversichtlich, dass die Mehrheit der SPD-Mitglieder das auch so sehen wird."

Habeck kann Gabriel verstehen

"Es gibt Diskussionen um die Glaubwürdigkeit", hatte der Chef der SPD in NRW, Mike Groschek, kritisiert. Dem müssten sich Schulz und der gesamte Parteivorstand vor dem Mitgliederentscheid der SPD stellen. "Ich kann die Gefühlswallung und manche Faust auf dem Tisch verstehen." Schulz hatte unmittelbar nach der Bundestagswahl gesagt, er werde niemals in eine Regierung von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) eintreten.

Kritik an Gabriel kam aus Thüringen. "Niemand hat tatsächlich das Recht auf ein bestimmtes Amt", sagte die stellvertretende SPD-Ministerpräsidentin Heike Taubert. Gabriel müsse die Entscheidungen der Parteiführung akzeptieren. Zwar wisse sie nicht, ob ihm ein Verbleib im Auswärtigen Amt versprochen wurde, allerdings könne man so etwas auch gar nicht versprechen. Ferner dürften hohe Beliebtsheitswerte kein Argument in einer solchen Debatte sein.

Grünen-Chef Robert Habeck äußerte dagegen Verständnis für die Kritik von Gabriel an dessen Partei. Dass Gabriel nun "so hinlangt", sei "irgendwie auch menschlich ok", sagt Habeck dem ARD-Morgenmagazin.