Die Zahl der Ermittlungen wegen Spionage in Deutschland hat sich 2017 im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdreifacht. Das geht aus einem Bericht des Spiegel hervor, der sich auf eine Antwort des Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken beruft.

Demnach habe der Generalbundesanwalt in Karlsruhe im vergangenen Jahr 35 entsprechende Verfahren eingeleitet. 2016 gab es nurzehn dieser Verfahren. Nach Meinung der Innenexpertin der Linken, Martina Renner, zeigten diese Zahlen, dass Deutschland zunehmend zu einer "Spielwiese für ausländische Nachrichtendienste" werde.

Der Verfassungsschutz registrierte neben Aktivitäten russischer, iranischer und chinesischer Geheimdienste laut dem Bericht auch eine Zunahme von Ausspähversuchen durch die Türkei. Die deutschen Behörden ermittelten demnach vor allem gegen Mitarbeiter des türkischen Geheimdienstes (MIT), die angebliche Gülen-Anhänger in Deutschland ausspähten. Die türkische Regierung macht die Gülen-Bewegung für den gescheiterten Putsch im Juli 2016 verantwortlich.

Im vergangenen Jahr war es zu mehreren Vorfällen gekommen, die mit Spionagetätigkeiten anderer Länder in Deutschland zusammenhingen. Zuletzt bestellte das Auswärtige Amt den iranischen Botschafter wegen des Vorwurfs iranischer Spionagetätigkeit in Deutschland ein. Dabei ging es um das Ausspähen des ehemaligen SPD-Bundestagsabgeordneten und Wehrbeauftragten Reinhold Robbe wegen seiner engen Verbindungen zu Israel. Auch jüdische Einrichtungen in Deutschland sollen von iranischen Agenten ausspioniert worden sein.  

Im vergangenen August erhob die Bundesanwaltschaft Anklage gegen einen Schweizer wegen des Verdachts der geheimdienstlichen Agententätigkeit. Der Schweizer Nachrichtendienst soll den früheren Polizisten und Sicherheitsberater in der nordrhein-westfälischen Finanzverwaltung platziert haben,  um Informationen über die Arbeitsweise deutscher Steuerbehörden im Zusammenhang mit dem Ankauf sogenannter Steuer-CDs zu beschaffen. 

Mutmaßliche Agenten eines vietnamesischen Geheimdienstes entführten im vergangenen Sommer den vietnamesischen Geschäftsmann Trịnh Xuân Thanh in Berlin. Er wurde inzwischen in Hanoi wegen Korruption und Misswirtschaft zu zweimal lebenslanger Haft verurteilt. Der Fall belastet die Beziehungen zwischen Deutschland und Vietnam massiv. Zwei vietnamesische Diplomaten mussten die Bundesrepublik deshalb im vergangenen Jahr verlassen.