Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) lehnt Aufnahmestopps für Ausländerinnen und Ausländer wie im Fall der Essener Tafel ab. "Da sollte man nicht solche Kategorisierungen vornehmen", sagte Merkel am Montagabend in einem Interview mit dem Sender RTL. Dies sei "nicht gut", zeige aber "auch den Druck, den es gibt". Sie hoffe auf "gute Lösungen", "die nicht Gruppen ausschließen". Die Debatte über die Essener Tafel habe zugleich gezeigt, "wie viele Menschen auf so etwas angewiesen sind".

CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt widerspricht der Bundeskanzlerin: "Es ist richtig, dafür zu sorgen, dass es nicht zu einer Verdrängung kommt an der Tafel", sagte er. Die Nationale Armutskonferenz sprach von einem "Alarmsignal" und forderte, die Tafeln dürften nicht länger Ausputzer der Nation sein. Die Entscheidung in Essen zeige, wie viele Menschen es gebe, deren Existenzminimum nicht zum Leben reiche.

Die Essener Tafel hatte im Dezember erklärt, aufgrund der Zunahme an Flüchtlingen sei der "Anteil ausländischer Mitbürger bei unseren Kunden auf 75 Prozent angestiegen". Die Einrichtung sehe sich gezwungen, "zurzeit nur Kunden mit deutschem Personalausweis aufzunehmen". Umgesetzt wurde die Entscheidung Mitte Januar.

Der Vorsitzende der Essener Tafel, Jörg Sartor, verteidigte die Maßnahme. Diese habe nichts mit Ausländerfeindlichkeit zu tun. Es solle einfach nur wieder gerecht verteilt werden. Zuletzt seien immer weniger Einheimische gekommen, gerade ältere Frauen hätten sich von jungen, fremdsprachigen Männern abgeschreckt gefühlt. Auch alleinerziehende Mütter seien immer häufiger weggeblieben. Auf der Website des Tafel-Dachverbands äußerte er zudem die Hoffnung auf eine schnelle Besserung der Lage.