Ein dritter, für die rechte Szene wichtiger Knotenpunkt ist ebenfalls im Parlament vertreten: das sogenannte Institut für Staatspolitik (IfS). Dessen Mitgründer, Götz Kubitschek, gilt als ideologischer Kopf der Neuen Rechten in Deutschland. Sein Hof in Schnellroda ist Treffpunkt von Neuen Rechten und Rechtsextremen aus dem In- und Ausland. Sein Kleinverlag Antaios gibt Bücher diverser extrem rechter Autoren heraus.

Erik Lehnert gehört zum Kernteam um Kubitschek. Er war Geschäftsführer des IfS, Referent bei Veranstaltungen in Schnellroda, Lektor bei Antaios und Redakteur der von Kubitschek herausgegeben Zeitschrift Sezession. Zudem wurde er ins Kuratorium der neurechten Titurel-Stiftung berufen, deren Geldgeber ein Haus für die Identitären in Halle erworben hat. Nun ist auch Lehnert im Bundestag aktiv, als Mitarbeiter des Abgeordneten Harald Weyel.

Neben dem IfS ist ein zweites Schulungszentrum vertreten, das Studienzentrum Weikersheim. Das Studienzentrum versucht mit seinen Vorträgen und Veranstaltungen, Verbindungen zwischen Nationalkonservativen und extremen Rechten zu knüpfen. Sein Geschäftsführer, Daniel Tapp, hat nun einen neuen Job: Er arbeitet im Büro der Fraktionsvorsitzenden Alice Weidel. Zuvor war er Mitarbeiter der österreichischen FPÖ-Abgeordneten Barbara Rosenkranz.

Rechte Verlage

Auch aus extrem rechten Verlagen ist dank der AfD Personal in den Bundestag gekommen: Narine S. hat nach eigenen Angaben zuletzt als Redaktionsassistentin beim rechtsradikalen Traditionsverlag Lesen und Schenken gearbeitet, der Publikationen wie die Deutsche Militärzeitschrift oder das Magazin Zuerst! herausgibt. Nun hat sie einen Job beim baden-württembergischen AfD-Abgeordneten Markus Frohnmaier.

Jan-Andres S., angestellt bei dem bayerischen Abgeordneten Petr Bystron, war Autor beim Kopp-Verlag und ebenfalls bei Kubitscheks Sezession. Erik W., ebenfalls von Bystron engagiert, war Autor des NPD-Parteiblatts Deutsche Stimme und Mitarbeiter eines sächsischen NPD-Landtagsabgeordneten. Heiko L., Mitarbeiter bei Jürgen Pohl, war früher bei der rechtslastigen Wochenzeitung Junge Freiheit und schrieb für Sleipnir, eine kleine Zeitschrift der Querfront, die eine rechte Revolution forcieren wollte. Henning Hoffgaard, zuvor Sprecher der AfD-Fraktion in Mecklenburg-Vorpommern, kommt ebenfalls von der Jungen Freiheit, wo er Redakteur war. Nun ist er Büroleiter des Abgeordneten Leif-Erik Holm.

Das derzeit wohl wichtigste Medium der Rechten, das Querfront-Magazin Compact, ist ebenfalls im Parlament vertreten. Die Ziele von Compact hat gerade dessen Chefredakteur Jürgen Elsässer auf der Leipziger Buchmesse formuliert. Aufgabe von Medien wie seinem sei es, die Spaltung der Gesellschaft zu vertiefen, um so "zum Sturz des Regimes beizutragen".

Christa A., angestellt beim sachsen-anhaltinischen Abgeordneten Martin Reichert, hat für Compact über Sicherheitspolitik berichtet. Linn Deborah Kuppitz moderiert seit Kurzem Die Woche Compact, eine politische Sendung bei Compact TV, dem Videokanal der Zeitschrift. Die Mittdreißigerin kandidierte in Nordrhein-Westfalen für die AfD zum Bundestag. Sie gehört seit 2017 zum bezahlten Mitarbeiterstab der Fraktion, als Büroleiterin des Abgeordneten Johannes Huber aus Bayern. In der Freizeit trainiert sie in einem Schützenverein und lädt Fotos davon bei Facebook hoch, zur Freude ihrer AfD-Freunde. Ein Bekannter kommentierte augenzwinkernd unter einem dieser Fotos: "Denk dran, Antifanten Feuer frei". Kuppitz reagierte mit einem Smiley.

Sicherheitsrisiko?

Umsturzpläne, Mitgliedschaften in rechtsextremen Organisationen, Posieren mit Waffen – sind AfD-Mitarbeiter im Bundestag ein Sicherheitsrisiko? Im Gegensatz zu Besuchern oder auch akkreditierten Journalisten, die an den Eingängen zu Bundestagsgebäuden neuerdings einer umfassenden Sicherheitskontrolle unterzogen werden, haben die Mitarbeiter von Abgeordneten freien Zutritt zu den Gebäuden. Ihre Taschen oder Kleidungsstücke werden nicht untersucht, sie können jeden Bereich frei betreten. Sie werden lediglich bei der Einstellung von der Bundestagspolizei auf ihre "Zuverlässigkeit" überprüft. Die Bundestagspolizei recherchiert, ob jemand "sicherheitsrelevante Straftaten begangen hat oder es hinreichend wahrscheinlich ist, dass er künftig solche Straftaten begehen wird", teilte die Bundestagsverwaltung mit.

Bei mindestens einem Anwärter auf einen AfD-Mitarbeiterposten war das der Fall. Auf Nachfrage schrieb die Bundestagsverwaltung, dass die Bundestagspolizei einem Mitarbeiter "nach dem Ergebnis der Zuverlässigkeitsüberprüfung" den Zugangsausweis verweigert habe. Doch was ist mit den übrigen? Ist die Teilnahme an rechtsextremen Aktionen ein Grund, weiteren AfD-Mitarbeitern den Zutritt zu verweigern? Die Verwaltung antwortet ausweichend: "Sollten der Bundestagsverwaltung nach Ausstellung eines Bundestagsausweises Tatsachen bekannt werden, die begründete Zweifel an der Zuverlässigkeit der Inhaberin oder des Inhabers hervorrufen, kann der Ausweis eingezogen werden."

Update 21. März: In der Ursprungsfassung des Textes haben wir behauptet, dass David Eckert in einem Video der IB zu sehen gewesen sei. Herr Eckert dementiert das, er habe mit der IB nichts zu tun. Tatsächlich war er in diesem Video nicht zu sehen. Wir haben die entsprechende Passage im Artikel gelöscht und halten die entsprechende Aussage nicht aufrecht.