AfD-Funktionäre machen offenbar gerne Gebrauch von ihrer neuen Freiheit. Nachdem der Bundeskonvent der Partei die Zusammenarbeit mit Pegida am Samstag erlaubt hatte, hat nun erstmals ein hochrangiger AfD-Politiker bei einer Veranstaltung des islam- und fremdenfeindlichen Bündnisses in Dresden gesprochen. Der sächsische Landes- und Faktionsvorsitzende Jörg Urban sprach vor den rund 1.500 Pegida-Anhängern von der Einigkeit zwischen AfD und Pegida. "Pegida und die AfD sind dieselbe Bewegung", sagte er. Bei den Anhängern der "Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" (Pegida) handele es sich seiner Auffassung nach nicht um Rassisten und Nationalsozialisten.

Pegida-Vizechef Siegfried Däbritz kündigte an, dass mehrere hochrangige AfD-Politiker demnächst bei einer Montagskundgebung in Dresden sprechen würden. Er nannte beispielsweise die Landesvorsitzenden aus Thüringen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt, Björn Höcke, Andreas Kalbitz und André Poggenburg.

Auf dem Parteikonvent hatte die AfD beschlossen, dass AfD-Mitglieder künftig bei Kundgebungen des Pegida-Bündnisses auftreten dürfen. Das war laut Unvereinbarkeitsbeschluss vom Mai 2016 zuvor verboten gewesen. In weiteren Beschlüssen wurde die Unvereinbarkeit mit sämtlichen regionalen Ablegern von Pegida, wie Thügida und Legida, mit dem im Februar 2017 gegründeten Verein Freiheitlich Patriotische Alternative (FPA) und mit der Identitären Bewegung festgestellt. Der sachsen-anhaltische AfD-Vorsitzende Poggenburg feierte die Entscheidung als "Meilenstein".

Die Parteivorsitzenden Alexander Gauland und Jörg Meuthen hatten sich zuletzt dafür ausgesprochen, das Verbot aufzuheben, falls sich der vorbestrafte Pegida-Chef Lutz Bachmann aus der Führung des fremdenfeindlichen Bündnisses zurückziehen sollte. Dafür gibt es bislang allerdings keine Anzeichen – im Gegenteil: Bachmann wolle trotz einer Kooperation zwischen AfD und Pegida im Amt bleiben, sagte er nun erneut. In den vergangenen Wochen war der Pegida-Chef bei vielen AfD-Veranstaltungen zu Gast, unter anderem beim politischen Aschermittwoch im sächsischen Nentmannsdorf.