Der umstrittene Chef der AfD-Fraktion Sachsen-Anhalt, André Poggenburg, hat das Vertrauen seiner Fraktion verloren. Das berichten der Rechercheverbund von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung sowie die Deutsche Presse-Agentur unter Berufung auf Parteikreise. In einer vertraulichen Sitzung am vergangenen Dienstag habe die Fraktion Poggenburg das Misstrauen ausgesprochen. Wie ZEIT ONLINE erfuhr, stimmten in der geheimen Abstimmung nur drei von 22 Abgeordneten für Poggenburg. Zwei enthielten sich. Poggenburg habe angekündigt, spätestens am kommenden Montag zurücktreten zu wollen, berichtete die Deutsche Presse-Agentur weiter.

Man sorge sich, durch Poggenburgs Verhalten "weiter in die ganz rechte Ecke gestellt zu werden", sagte ein AfD-Abgeordneter dem Rechercheverbund. Dem Landeschef sei angetragen worden, freiwillig von Fraktions- und Parteivorsitz zurückzutreten. Erst einmal gelte in Bezug auf das Misstrauensvotum ein "Schweigegelübde", in der kommenden Woche soll es dann aber eine Presseerklärung geben. Als Nachfolger wird dem Bericht zufolge Poggenburgs bisheriger Stellvertreter Oliver Kirchner gehandelt. 

Poggenburg hatte im Februar mit rassistischen Äußerungen bei einer Rede beim Politischen Aschermittwoch der AfD im sächsischen Pirna für Aufsehen gesorgt. Er bezeichnete in Deutschland lebende Türken als "Kümmelhändler" und "vaterlandsloses Gesindel".

Daraufhin gab es viel Kritik: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Justizminister Heiko Maas (SPD) und Politiker mehrerer Parteien verurteilten die Rede. Unter anderem aus der SPD-Fraktion des Bundestags wurden Rufe nach einer Beobachtung der Partei durch den Verfassungsschutz laut. Die Staatsanwaltschaft Dresden leitete nach einer Strafanzeige einer Privatperson ein Prüfverfahren gegen Poggenburg ein.

Auch aus der AfD gab es Kritik. Die Kreisverbände meldeten vermehrte Austritte und zurückgezogene Mitgliedsanträge. Bundeschef Jörg Meuthen sagte, Poggenburg sei "deutlich zu weit" gegangen. Bundesvorstandsmitglied Steffen Königer bescheinigte ihm "Dummheit". Poggenburg selbst räumte in einer Mitteilung ein, er habe "heftig ausgeteilt" sowie "hart und grob formuliert". Eine "direkte Beleidigung oder Herabsetzung anderer Nationalitäten" liege ihm aber völlig fern. Vom AfD-Vorstand wurde er für die Äußerungen abgemahnt. Für Poggenburg nicht das erste Mal: Wegen Äußerungen in einem AfD-internen Chat war er vor einem Jahr schon einmal gemaßregelt worden. Poggenburg gilt als Hardliner, er hatte 2015 zusammen mit dem Thüringer Landeschef Björn Höcke den rechtsnationalen Flügel der AfD gegründet.