Andreas Kalbitz, Landesvorsitzender der Alternative für Deutschland (AfD) in Brandenburg und Beisitzer im Bundesvorstand der Partei, stand in Verbindung zur inzwischen verbotenen rechtsextremen Heimattreuen Deutschen Jugend (HDJ). Das berichtet das ARD-Magazin Kontraste und beruft sich dabei auf Fotos und Filmaufnahmen. Kalbitz habe demnach 2007 an einem sogenannten Pfingstlager der HDJ teilgenommen. Das mehrtägige Treffen habe in Eschede auf einem Bauernhof stattgefunden, ein Programmpunkt sei "germanischer" Mehrkampf gewesen.
Kalbitz war im April 2017 auf Alexander Gauland als Landesvorsitzender der AfD Brandenburg gefolgt. Schon damals gab es Berichte über die rechte Vergangenheit des heute 45-Jährigen. So schrieb der Tagesspiegel, im Brandenburger Landtag kursiere für Kalbitz der Spitzname "kleiner Himmler" – offenbar eine Anspielung auf sein Äußeres. Die Zeitung berichtete weiter, Kalbitz sei Autor für rechtsextreme Publikationen gewesen und habe einen Kulturverein gegründet, der "von Nazis, SS-Offizieren und NPD-Funktionären" gegründet worden sei.
"Ich war als Gast dort, mutmaßlich"
Das ARD-Magazin Kontraste konfrontierte Kalbitz mit den jüngsten Recherchen, die nach Eschede führten. Der AfD-Politiker teilte zunächst mit: "Eine Teilnahme an dieser Veranstaltung der HDJ vor elf Jahren ist mir nicht mehr erinnerlich, aber nicht ausgeschlossen, da ich eine Vielzahl verschiedenster Veranstaltungen besucht habe." Anhänger der HDJ sei er nicht gewesen. Mit den Fotos konfrontiert, korrigierte sich Kalbitz später und räumte seine Teilnahme am Pfingstlager gegenüber dem rbb ein. "Ich war als Gast dort, mutmaßlich, um mir das mal anzuschauen. Ich sehe da kein Problem."
Die HDJ wurde 2009 vom Bundesinnenministerium unter anderem wegen ihrer "dem Nationalsozialismus wesensverwandten Ideologie" und einer "aktiv-kämpferischen, aggressiven Grundhaltung" verboten. Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig bestätigte 2010 das Verbot, weil die Ziele der HDJ sich eindeutig gegen die verfassungsmäßige Ordnung der Bundesrepublik richteten (AZ.: BVerwG 6 A 4.09 - Urteil vom 1. September 2010).
Kalbitz hat auch schon früher versucht, seine rechte Vergangenheit herunterzuspielen, schreibt der Tagesspiegel. Demnach verglich er sie mit der Vergangenheit des Grünen-Politikers Joschka Fischer. Dieser sei Außenminister geworden, obwohl er in jungen Jahren Steine geworfen habe.
Kalbitz ist nicht der einzige AfD-Vertreter, der Verbindungen zur HDJ hatte. André Poggenburg, Vorsitzender der AfD-Landtagsfraktion Sachsen-Anhalt, beschäftigt einen ehemaligen HDJ-Funktionär als persönlichen Referenten. Obwohl Poggenburg davon wusste, habe er darin kein Problem gesehen, sagte er vergangenes Jahr ZEIT ONLINE.
Kommentare
Muscheltaucher
#1 — 6. März 2018, 19:22 UhrNicht weiter verwunderlich.
Die Alternative zur Alternative
#1.1 — 6. März 2018, 19:30 UhrEs ist eigentlich keine Meldung wert.
Jeder weiß, dass AfD/Pegida/NPD und andere Rechtsextreme alle im selben braunen Topf rühren.
besserStill
#2 — 6. März 2018, 19:25 UhrRelativierungen in 3-2-1. Oh, stopp, das hat der gute Mann ja schon selbst übernommen :D
Ura5
#2.1 — 6. März 2018, 19:40 Uhr"Ich war als Gast dort, mutmaßlich, um mir das mal anzuschauen. Ich sehe da kein Problem."
Klar, kann ja jedem von uns mal passieren. Einmal nicht aufgepasst und schon steht man auf einem rechtsextremen Treffen. Wenn man schon mal da ist kann man auch schauen, was so los ist.
/ Ironie off
Inoagent
#3 — 6. März 2018, 19:25 UhrIch sehe wegen all der Einzelfälle nicht mehr durch. Fragen wir doch mal anders herum: zu welcher rechtsextremen Vereinigung hat die AfD KEINE Verbindung?
Der liebe Honigbaer
#3.1 — 6. März 2018, 19:31 UhrOder auch andersherum, welche bundesdeutsche Partei hatte keine enge Verbindungen zum Nazis, ehemaligen NSDAP-Politikern oder Fanatikern? Und was ist mit denen, die bis heute enge Verbindungen zu Extremisten im Ausland unterhalten???? Schön ist das alles nicht. Eher ekelhaft und widerwärtig. Das ganze Pack.
Staatsei Nr.1
#4 — 6. März 2018, 19:27 Uhr"Schon mehrfach musste er seine rechte Vergangenheit erklären."
Ich dachte die AfD ist per se rechts, warum muss er da was erklären?
Oder gibt es am Ende noch sowas, wie Differenzierung?
TGfkaTRichter
#4.1 — 6. März 2018, 19:39 UhrNe, die AfD ist nämlich nicht nur rechtsradikal, sondern auch noch unglaublich verlogen und empfindlich. Nicht umsonst ist die AfD die Partei der Political Corectness. In anderen Worten, man ist zwar Rassistisch und rechtsaußen, ist aber zu weinerlich, um diese wohl verdienten Bezeichnungen auch zu akzeptieren.