Nach ihrer knappen Wahl zur Kanzlerin hat Angela Merkel angekündigt, Protestwähler aus dem AfD-Lager zurückgewinnen zu wollen. Ihr Anspruch sei es, die Partei kleiner zu machen "und möglichst aus dem Deutschen Bundestag wieder herauszubekommen". Zunächst wolle sie sich aber den Problemen der AfD-Wähler annehmen, sagte Merkel derARD. "Wir haben das Ziel, die Probleme derer zu lösen, die jetzt aus Protest auch diese Partei gewählt haben."

Dazu zähle, dass eine Debatte über Armut in Deutschland geführt werden müsse, sagte Merkel. "Dass diejenigen, die von Hartz IV leben, nicht viel Geld haben, das ist vollkommen klar." Das deutsche Sozialsystem versorge die Menschen aber mit dem Notwendigsten. In der Flüchtlingspolitik kündigte Merkel konsequentere Abschiebungen an. Gleichzeitig müsse Deutschland seine humanitären Aufgaben erfüllen, sagte sie.

Trotz des knappen Wahlergebnisses sei Merkel froh über das Vertrauen. Sie war mit nur neun Stimmen Mehrheit zur Kanzlerin gewählt worden, dem schlechtesten Ergebnis in vier Legislaturperioden. Im Bundestag hatten nur 364 von insgesamt 709 Abgeordneten für die CDU-Vorsitzende gestimmt. Das sind 35 Stimmen weniger, als die Regierungskoalition über Mandate im Bundestag verfügt. SPD-Fraktionsvorsitzende Andrea Nahles hatte sich am Nachmittag verwundert über die "vielen Gegenstimmen" gezeigt.  

Während der Wahl hatte es Tumulte im Bundestag gegeben. Ein AfD-Mitglied entrollte auf der Besuchertribüne ein Transparent mit der Aufschrift "Merkel muss weg". Ein Mann musste in der Nähe der Kanzlerin niedergerungen werden. Der Abgeordnete Petr Bystron, ebenfalls von der AfD, veröffentlichte ein Bild seines Wahlzettels mit einem "Nein" zu Merkel im Internet und muss nun ein Ordnungsgeld in Höhe von 1.000 Euro zahlen.