Die Polizeigewerkschaft DPolG hat Äußerungen von Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) zu verdeckten Ermittlungen gegen kriminelle Ausländer scharf kritisiert. "Verdeckte polizeiliche Maßnahmen in der Presse anzukündigen, führt dazu, dass die Kollegen erheblichen Gefahren ausgesetzt sind. Das ist ein Skandal", sagte der Landesvorsitzende der Gewerkschaft, Ralf Kusterer, und forderte den sofortigen Abbruch der in Sigmaringen geplanten Geheimoperationen.

Strobl hatte am Freitag eine Forderung des Bürgermeisters Sigmaringen öffentlich gemacht. Demnach sollten wegen auffällig gewordener Asylbewerber inkognito Polizisten in der Stadt eingesetzt werden. Ausländische Täter, die mehrfach auffallen, sollen demnach dem Sonderstab gefährliche Ausländer im Innenministerium gemeldet werden. Ihnen droht die Abschiebung.

Der innenpolitische Fraktionssprecher der Grünen, Uli Sckerl, sagte, es scheine weit übertrieben, die Lage in Sigmaringen mit verdeckten Ermittlern lösen zu wollen. "Die vorhandenen polizeilichen Maßnahmen reichen aus", so Sckerl. Die Grünen stellen in Baden-Württemberg den Ministerpräsidenten und regieren zusammen mit der CDU. Die Oppositionsfraktionen SPD und FDP warfen Strobl Selbstdarstellung auf Kosten der Polizei vor. Sie forderten, dass sich der Innenausschuss des Landtags mit dem Thema befassen solle.

In der 17.000-Einwohner-Stadt Sigmaringen leben in einer Erstaufnahmestelle des Landes knapp 400 Flüchtlinge. Einige fielen wiederholt mit Alkoholexzessen und Pöbeleien auf. Die Straftaten stiegen 2017 deutlich, laut Strobl vor allem bei Delikten wie Diebstahl, Körperverletzung, Rauschgiftkriminalität und Schwarzfahren.