Im Fall des mutmaßlich aus Deutschland nach Vietnam entführten Geschäftsmanns Trinh Xuan Thanh hat die Bundesanwaltschaft Anklage gegen den 47 Jahre alten Vietnamesen Long N. H. erhoben. Sie wirft ihm geheimdienstliche Agententätigkeit sowie Beihilfe zur Freiheitsberaubung vor. 

Trinh Xuan Thanh war Vorstandsvorsitzender des vietnamesischen Staatskonzerns PetroVietnam Construction (PVC). Er floh im Sommer 2016 nach Deutschland, um hier politisches Asyl zu beantragen. Vietnam beantragte daraufhin seine Auslieferung, ließ ihn dann aber wenige Tage vor einer Entscheidung gewaltsam aus Berlin verschleppen.

Am 23. Juli 2017 wurden Thanh und seine Begleiterin im Berliner Tiergarten in einen Wagen gezerrt. Der Manager wurde anschließend über die vietnamesische Botschaft nach Vietnam gebracht, wo ihm wegen Korruption der Prozess gemacht wurde und zweimal zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. Der Geschäftsmann soll laut vietnamesischer Justiz Staatsgelder in Millionenhöhe veruntreut sowie Schmiergelder angenommen zu haben. Außerdem habe er Verluste von umgerechnet etwa 125 Millionen Euro zu verantworten.

Der Fall belastet die diplomatischen Beziehungen mit Vietnam

Der Fall Trinh Xuan Thanh belastet die diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und Vietnam. Das Auswärtige Amt spricht von "Menschenraub" und "Entführung", die vietnamesische Regierung bestreitet die Vorwürfe. Sie betont, Thanh sei freiwillig zurückgekehrt, um sich dem Verfahren zu stellen.

Die Bundesanwaltschaft ermittelt in dem Fall und geht bei den Tätern einerseits von Mitarbeitern des vietnamesischen Geheimdiensts sowie andererseits mehreren in Europa lebenden Vietnamesen aus, darunter der Angeschuldigte Long N. H., der am Tag nach der Entführung in Tschechien festgenommen wurde. Später wurde er auf Grundlage eines europäischen Haftbefehls nach Berlin ausgeliefert.

Der Beschuldigte N. H. soll mit logistischen Tätigkeiten betraut gewesen sein und laut Staatsanwaltschaft den Transporter, der für die Entführung Thanhs benutzt wurde, in Prag gemietet haben. Auch einen BMW X5, der für die Observation Thanhs genutzt wurde, soll N. H. in Prag gemietet haben.