Die Gleichstellungsbeauftragte des Bundesinnenministeriums, Maria Spetter, hat die Personalentscheidungen Horst Seehofers in einem hausinternen Rundschreiben kritisiert. Der CSU-Politiker hatte mit seiner Entscheidung, die acht Staatssekretärsposten in seinem Ministerium nur mit Männern zu besetzen, öffentliche Empörung ausgelöst.

Sie verfasste ein an den Minister adressiertes Schreiben, das sie den im Ministeriums beschäftigten Frauen zur Kenntnis gab. In dem ZEIT ONLINE im Faksimile vorliegenden Brief schreibt Spetter, Seehofers Entscheidung lasse viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Ministeriums ratlos, betroffen und wütend zurück. Ein von ihr eingeholtes internes Meinungsbild habe ergeben, dass Seehofers Personalentscheidungen "auf völliges Unverständnis im Haus" stoßen. Das Ministerium wollte die Existenz des Schreibens auf Nachfrage weder bestätigen noch dementieren.

Spetter wirft Seehofer dem Schreiben zufolge vor, den Koalitionsvertrag zu "verhöhnen", der die "gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern in Leitungsfunktionen im öffentlichen Dienst bis 2025" vorsehe. Seine Personalentscheidungen seien "ein klares Zeichen gegen Führung und stellen einen politischen wie gesellschaftlichen Rückschritt dar, der neue Fronten zwischen Männern und Frauen aufmacht", schreibt Spetter. Weiter heißt es, dass Seehofer seine Glaubwürdigkeit verspielt habe, indem er als Minister, "der für das Öffentliche Dienstrecht und den gesellschaftlichen Zusammenhalt verantwortlich ist", dem Koalitionsvertrag zuwiderhandle.

Debatte über Frauenanteil in der neuen Bundesregierung

Zuerst hatte Grünenpolitikerin Hannah Neumann auf Twitter auf die Pressemitteilung des Innenministeriums verwiesen, in dem die Berufung der acht Männer verkündet wurde. "Nicht meine Heimat!", kommentierte Neumann das Bild, das Innenminister Seehofer im Kreise seiner Führungsmannschaft zeigt – und in Anspielung darauf, dass das Innenministerium zugleich auch Heimatministerium sein soll. 

Neumanns Beitrag wurde vielfach geteilt und löste eine Debatte über den Frauenanteil in den Führungspositionen der neuen Bundesregierung aus. So besetzt auch der neue Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer die Führungspositionen in seinem Ministerium ausschließlich mit Männern.

Gute Mischung?

In der Bundespressekonferenz hatte der Ministeriumssprecher jede Kritik zurückgewiesen. So habe Seehofer die Posten mit Personen besetzt, die aus seiner Sicht die richtige Wahl zur Bewältigung der anstehenden Herausforderungen seien, sagte der Sprecher. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte, dass man auf die gesamte Regierung verweisen möge, wo es eine "gute Mischung von Männern und Frauen" gebe.

Zudem wies der Sprecher die Vermutung zurück, das Ministerium habe aufgrund der öffentlichen Kritik das Foto mit den acht Staatssekretären gelöscht und durch ein Bild der Gebäudefassade ersetzt. Dies sei nur aufgrund der noch ausstehenden Entscheidung des Bundeskabinetts über die neuen Personalien geschehen. Inzwischen ist auf der Website wieder das Gruppenbild von Seehofers Staatssekretären zu sehen.