Zum ersten Mal haben Wissenschaftler untersucht, wie Einwanderer aus der Türkei und Russland bei der Bundestagswahl stimmten. Forscher der Universitäten Duisburg-Essen und Köln befragten dazu etwa 500 Deutschtürken und 500 Russlanddeutsche. Das Ergebnis: Bei den Deutschtürken lag die Wahlbeteiligung bei 64 Prozent, bei den Russlanddeutschen bei 58 Prozent. Insgesamt gaben im September 76,2 Prozent der Bürger ihre Stimme bei der Bundestagswahl ab.

Bei ihrem Votum zeigten sich die Russlanddeutschen und andere Migranten aus dem Gebiet der früheren Sowjetunion laut der Studie politisch eher rechts der Mitte positioniert. Unter den Befragten dieser Gruppe kam die AfD demnach auf 15 Prozent. An CDU und CSU, die 27 Prozent der Zweitstimmen erhielten, reichte sie aber dennoch nicht heran. Zweitstärkste Partei wurde bei dieser Gruppe die Linkspartei  mit 21 Prozent.

Die Deutschtürken wählten insgesamt eher links. Die SPD kam unter den Befragten auf 35, die Linke auf 16 Prozent. 20 Prozent gaben ihre Stimme den Unionsparteien, 13 Prozent den Grünen. Die AfD hatte kein einziger der 500 Befragten gewählt. 

Merkel, Putin, Erdoğan

Die Forscher interessierte nicht nur das Wahlverhalten. Sie stellten auch Fragen zu den Staatschefs. Dabei zeigte sich, dass Angela Merkel (CDU)  bei einem Teil der Deutschen türkischer Herkunft ein höheres Ansehen genießt als der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan. Teilnehmer der Befragung waren allerdings nur Migranten, die sich für den deutschen Pass entschieden hatten. Türken mit Aufenthaltstitel wurden nicht befragt. Anders sieht es bei den Russlanddeutschen aus: Bei ihnen ist Russlands Präsident Wladimir Putin beliebter als die deutsche Kanzlerin.

Dass es bei Deutschtürken bundesweit nur wenig Unterstützung für die Ideen von Erdoğans Regierungspartei AKP gibt, lässt sich aus den Ergebnissen der Studie aber nicht ablesen – zumindest nicht für Nordrhein-Westfalen: Zwölf Prozent der Türkeistämmigen dort gaben an, sie hätten bei der Bundestagswahl 2017 die Allianz Deutscher Demokraten gewählt. Die erst 2016 gegründete Partei hatte auf Plakaten mit einem Bild des türkischen Präsidenten geworben. Die Partei von Ramazan Akbas war nur in Nordrhein-Westfalen angetreten.