Vor einem Jahr löste die Affäre um den rechtsextremen Oberleutnant Franco A. in der Bundeswehr eine Diskussion um den Umgang der Truppe mit ihren Traditionen aus. Nun gibt es hierfür neue Richtlinien. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) unterzeichnete den sogenannten Traditionserlass der Truppe, der überarbeitet worden war. Er gibt vor, dass die Soldaten bei der Suche nach Vorbildern den Blick künftig vor allem auf die eigene, mehr als 60 Jahre lange Geschichte richten sollen. 

Ausgelöst hatte den Reformprozess das Bekanntwerden des rechtsextremen Oberleutnants Franco A. Die Polizei hatte den Bundeswehrsoldaten wegen Terrorverdachts festgenommen. Er hatte sich beim Bundesamt für Migration als syrischer Flüchtling ausgegeben und plante nach Erkenntnissen der Ermittler einen Terroranschlag. Infolgedessen untersuchte die Bundeswehr bundesweit Kasernen. Prüfer fanden zahlreiche Wehrmachtsdevotionalien.

Der bisherige Traditionserlass ist von 1982. In dem Zeitraum habe sich die Bundeswehr "in Gänze gehäutet" und personell völlig erneuert, sagte Generalinspekteur Volker Wieker in der Emmich-Cambrai-Kaserne in Hannover. Es sei höchste Zeit gewesen, die Richtlinien neu zu fassen. Die Ereignisse des vergangenen Jahres seien ein "wesentlicher Augenöffner für uns alle" gewesen.

Von der Leyen hat in einem Appell die Emmich-Cambrai-Kaserne nach einem in Afghanistan getöteten Feldjäger, Tobias Lagenstein, umbenannt. Mit der Umbenennung trägt erstmals in der Geschichte der Bundeswehr eine Kaserne den Namen eines in einem Auslandseinsatz gefallenen Bundeswehrsoldaten. "Tobias Lagenstein bleibt in der Bundeswehr, bleibt im Kreise seiner Kameradinnen und Kameraden", sagte die CDU-Ministerin.

Anders als bei den bundesweit gut 20 weiteren Kasernen mit strittigen Namen hatte der bisherige Namensgeber in Hannover nicht in der Wehrmacht gedient. Der erste Teil des bisherigen Namens erinnert an den preußischen General Otto von Emmich, dessen Rolle beim deutschen Einmarsch in Belgien im Ersten Weltkrieg umstritten ist. Cambrai ist der Name der nordfranzösischen Stadt, die im Ersten Weltkrieg von deutschen Truppen besetzt wurde und in der es die erste größere Panzerschlacht gab.