Nach fünf Monaten politischer Unsicherheit haben die SPD-Mitglieder den Weg für eine neue große Koalition geebnet: 66,02 Prozent wollen, dass die Sozialdemokraten die dritte große Koalition unter Angela Merkel eingehen. Die CDU-Chefin zeigte sich erleichtert über die deutliche Zustimmung: "Ich gratuliere der SPD zu diesem klaren Ergebnis und freue mich auf die weitere Zusammenarbeit zum Wohle unseres Landes", twitterte die CDU im Namen Merkels.

Auch ihre Stellvertreterin Julia Klöckner zeigte sich erfreut, dass die SPD sich für das Eintreten in eine neue Regierung entschlossen hat. "Das ist in dieser Situation das einzig Richtige und Verantwortungsvolle", sagte die designierte Landwirtschaftsministerin. Deutschland und Europa warteten auf eine stabile Regierung. "In Zeiten der schnellen Veränderungen, auch auf europäischer Ebene, ist Verlässlichkeit gefragt."

Der geschäftsführende Finanzminister und CDU-Politiker Peter Altmaier fasst auf Twitter in wenigen Worten zusammen, worauf viele schon seit Monaten warten: "An die Arbeit jetzt!"

"Wir bleiben jetzt zusammen"

Die SPD-Fraktionsvorsitzende Andrea Nahles fühlte sich bestätigt. Sie hatte sich am Vortag sicher gezeigt, dass die Sozialdemokraten für eine große Koalition stimmen würden. Auf die Frage, ob sie mit einer Zustimmung von zwei Dritteln der Mitglieder gerechnet habe, sagte sie: "Ich habe in den letzten Tagen mit gar nichts mehr gerechnet. Ich bin froh, dass es jetzt so gekommen ist." Sie betonte, dass das Votum die Partei nicht spalten werde: "Wir bleiben jetzt zusammen." Das sagte auch der kommissarische Parteichef Olaf Scholz, der auch als Finanzminister im Gespräch ist. "In der Diskussion sind wir weiter zusammengewachsen", beschied er seiner Partei.

Mitte der Woche sei bereits ein Treffen mit der Bundeskanzlerin geplant, sagte Nahles zum weiteren Zeitplan. Zur Frage, wann die SPD bekannt geben werde, wer als Minister ins Kabinett einzieht, sagte die designierte Parteichefin nur "bald".

Auch der frühere SPD-Vorsitzende Martin Schulz meldete sich zu Wort. Er sei froh über das Ergebnis: "Es kann Deutschland und Europa nach vorne bringen und die SPD stärken", sagte Schulz der Süddeutschen Zeitung.

Enttäuscht zeigte sich Juso-Chef Kevin Kühnert über das Abstimmungsergebnis. Er hatte vehement gegen eine Neuauflage der großen Koalition gekämpft. Die Jusos akzeptierten aber das Ergebnis der Partei, die vor einem Erneuerungskurs stehe: "Wir werden der Regierung auf die Finger schauen – der einen wie der anderen Seite." Kühnert rief die unterlegenen Gegner der großen Koalition dazu auf, in der Partei zu bleiben.