Heiko Maas sei Triathlet, heißt es. Erst Schwimmen, dann Radfahren, dann Laufen, viele Kilometer weit. Es ist eine sportliche Herausforderung, die viele Menschen bewundern. Man muss schon fit sein und Durchhaltevermögen haben, um ins Ziel zu kommen. Deshalb fehlt dieser Hinweis fast nie, wenn der 51-jährige SPD-Politiker beschrieben wird.

"Er braucht Ausdauer", sagt Andrea Nahles bei der Vorstellung der SPD-Minister am Freitag über Maas. Auch die SPD-Fraktionschefin findet: Für sein neues Amt als Außenminister qualifiziere der Saarländer sich durch den Triathlon. Denn: Die großen Weltkonflikte ließen sich nicht mehr so schnell lösen.

Der bisherige Bundesminister für Justiz und Verbraucherschutz, der durchaus ehrfürchtig neben ihr vor großen SPD-Lettern steht, ist eine Überraschung im neuen Kabinett. Maas tritt das Erbe der bisherigen SPD-Chefdiplomaten Frank-Walter Steinmeier und Sigmar Gabriel an: Künftig wird er mit Recep Tayyip Erdoğan verhandeln, bald könnte er mit Sergej Lawrow über die Ukraine streiten. 

Der Saarländer hat sich einen der prestigeträchtigsten Jobs in der neuen Bundesregierung gesichert. Das ist eine Überraschung, auch weil er in den vergangenen vier Jahren kaum erkennen ließ, dass er sich für Außenpolitik interessiert. Seine bisherigen Äußerungen über internationale Politik sind spärlich: ein Bekenntnis zu den offenen Grenzen in der EU in einem Gastbeitrag auf ZEIT ONLINE im vergangenen Jahr, ein lobender Tweet zu den Friedensverhandlungen der UN mit Syrien vor einigen Wochen. Als Justizminister hat er dann und wann auf internationaler Ebene verhandelt, aber profiliert hat er sich bisher mit innenpolitischen Themen.

Den letzten Triathlon absolvierte er nur teilweise

Doch nachdem klar war, dass Sigmar Gabriel nicht Außenminister bleiben und Martin Schulz es nicht werden würde, gab es in der SPD eben nicht mehr so viele, denen man das Amt und auch das Auftreten zum Amt zutraute. Während andere SPD-Ministerinnen und -Minister von Nahles am Freitag also mit Verweis auf ihre langjährige fachpolitische Erfahrung vorgestellt werden, sind es bei Maas eher die Sekundärtugenden, die ihn für das Außenamt qualifizieren sollen:

In seinem Kampf gegen den Rechtsextremismus habe er "Standfestigkeit" bewiesen, sagt Nahles. Aus dem deutsch-französischen Grenzgebiet stammend, wisse der SPD-Politiker außerdem wie kein anderer, was ein starkes Europa auch für Deutschland bedeute. Nahles attestiert Maas auch "diplomatisches Geschick", das er als Justizminister bewiesen habe: Sie meint wohl die Auseinandersetzungen mit dem CDU-geführten Innenministerium in der vergangenen Legislaturperiode. Datenschutz versus Sicherheit.

Und dann kommt das mit dem Triathlon: Maas sei jemand, der sich seine Kraft einteile, der durchhalte. Findet Nahles. Dabei ist das mit dem Laufen, Radfahren und Schwimmen bei Heiko Maas so eine Sache: Im Sommer 2015 absolvierte er seinen bisher letzten Triathlon, und den auch nur teilweise: Im bayerischen Roth fuhr er wie andere Promis auch eine "kleine Runde auf dem Fahrrad". So berichteten es die anwesenden Journalisten.

Der Minister kam da gerade von einer siebentägigen Chinareise zurück. Für weitere Sportwettkämpfe habe er wegen seines Spitzenamts in der Politik nicht trainieren können, heißt es in seinem Umfeld, aber er jogge immer mal wieder, mindestens zehn Kilometer.

Heiko Maas kann sich gut verkaufen. Das ist auch eine Eigenschaft, die ein Außenminister braucht auf dem diplomatischen Parkett, auf dem oft viel geredet, aber für die Öffentlichkeit wenig gesagt wird. Und auch andere Außenminister, darunter Vorgänger Sigmar Gabriel, waren keine ausgesprochenen Außenpolitikexperten und füllten das traditionsreiche Amt dennoch zur Zufriedenheit vieler Wähler aus. Ein Minister lebt auch von guten Mitarbeitern, einer schnellen Auffassungsgabe und einem Gespür für den richtigen Auftritt – all das ist Maas nicht fremd. Unterschätzt wurde er schon oft – zu Unrecht.

Bis Maas 2013 in die Bundespolitik aufrückte, hatte er eine klassische saarländische Karriere hingelegt: Geboren 1966 im gutbürgerlichen Saarlouis an der Grenze zu Frankreich als Sohn eines Berufssoldaten und einer Schneiderin. Ministrant in der katholischen Kirche, Abitur in der von der Stahlindustrie geprägten Stadt Völklingen, ein Jurastudium in Saarbrücken, Referendariat am dortigen Landgericht. Statt hinaus in die große Welt zu ziehen, ist er lange in der Heimat geblieben, "dehemm", wie der Saarländer sagt.