Nicht zielführend, ohne Inhalt, unsachlich und womöglich Wahlkampfhilfe für die CSU in Bayern: Die Äußerungen des neuen Innen- und Heimatministers Horst Seehofer (CSU) zum Islam lösen weiter heftige Reaktionen aus. Führende Politikerinnen und Politiker auch der Regierungsparteien hatten Seehofer bereits dafür kritisiert, eine längst überholte Debatte neu führen zu wollen. Nun legt auch die Opposition nach. Zustimmung für seinen Satz "Der Islam gehört nicht zu Deutschland" gab es dabei nicht.

Der Vorsitzende der Linkspartei, Bernd Riexinger, griff Seehofer scharf an. "Damit er gleichzeitig hetzen und von gegenseitigem Verständnis und Rücksichtnahme schwadronieren kann, unterscheidet Seehofer zwischen der Religion selber und ihren Gläubigen", sagte er der Stuttgarter Zeitung und den Stuttgarter Nachrichten.

Denselben Zeitungen sagte der Grünen-Politiker Cem Özdemir, eine "kulturalistische Betrachtung, die Menschen nach Religionszugehörigkeit sortiert", passe nicht zu Aufklärung und westlicher Demokratie. Zudem helfe der aktuelle Streit "vor Ort bei der Integration niemandem".

Lindner spricht von überflüssiger Debatte

FDP-Chef Christian Lindner nannte die Diskussion überflüssig. "Weder verlangt irgendwer die Übernahme islamischer Sitten noch ist das Christentum Staatsreligion", sagte er der Rheinischen Post.

Horst Seehofer hatte der Bild-Zeitung gesagt, dass hier lebende Muslime zwar "selbstverständlich" zu Deutschland gehören. "Das bedeutet natürlich nicht, dass wir deswegen aus falscher Rücksichtnahme unsere landestypischen Traditionen und Gebräuche aufgeben." Er ergänzte: "Der Islam gehört nicht zu Deutschland. Deutschland ist durch das Christentum geprägt."

Auch Kanzlerin Merkel distanziert sich

In den Regierungsparteien SPD und CDU hatten daraufhin Politikerinnen und Politiker ein Ende der Diskussion gefordert. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte sich distanziert: Deutschland sei zwar stark vom Christen- und vom Judentum geprägt, aber inzwischen lebten auch Millionen Muslime hier. "Diese Muslime gehören auch zu Deutschland, und genauso gehört ihre Religion damit zu Deutschland, also auch der Islam."

Die in Nordrhein-Westfalen für Integration zuständige CDU-Staatssekretärin Serap Güler sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland und ähnlich der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung, Aufgabe eines Innen- und Heimatministers sei es, "die Gesellschaft zusammenzubringen, zu vermitteln und nicht zu spalten". "Natürlich gibt es Tendenzen im Islam, die nicht mit dem Grundgesetz vereinbar sind, aber dann erfordert dies auch eine Differenzierung zu sagen: Der politische Islam gehört nicht zu Deutschland, aber der Islam, an den die 4,5 Millionen Menschen in unserem Land glauben, die gehören natürlich mit ihrem Glauben dazu."

Religion - Fünf Fragen an den Islam © Foto: ZEIT ONLINE