Aber ist es einem Sozialdemokraten erlaubt, über Gruppeneigenschaften zu reden? Zu sagen, Ausländer hätten eine Anspruchshaltung? Drängelten sich vor? Sartor glaubt, in Kindergärten mit 90 Prozent Ausländeranteil, wie sie in Essen mit seinen 20.000 Flüchtlingen keine Seltenheit sind, könnte kein solidarisches Verhalten erlernt werden.

Keine Frage: Für viele ist die Behauptung, alle Männer aus dem arabischen Raum verhielten sich frauenfeindlich oder antisemitisch nichts als eine perfekte Blümchentapete für ihre Hassgefühle, für ihren Rassismus. Aber Jörg Sartor für so jemanden zu halten, ist absurd. Er beschreibt, was er sieht. Und das ist, mit der Kanzlerin gesprochen, immer hilfreich. Den AfD-Mann Guido Reil, auch einen ehemaligen Bergarbeiter, hat Sartor vor der Tür stehen lassen. "Ich lasse mich vor keinen politischen Karren spannen, schon gar nicht vor den der AfD".

Vor den der SPD, seiner SPD, allerdings auch nicht mehr. Dass ihn die Familienministerin Katarina Barley zurechtgewiesen und beschlaumeiert hat, damit konnte er leben. Empört hat ihn, dass der SPD-Landtagsabgeordnete und Essener SPD-Chef Thomas Kutschaty versucht hat, die Schuld für die Situation dem CDU-Oberbürgermeister und dem Sozialdezernenten in die Schuhe zu schieben. Nicht nur hätten gerade diese beiden der Tafel immer zu helfen versucht. Es sei obendrein auch die SPD gewesen, die Essen über Jahre und Jahrzehnte regiert haben. "Wer sich so verhält, drängt mich in eine ganz andere Richtung." So ist es. Wenn die SPD Leute wie Jörg Sartor – einen Nachbarn mit einem Herzen von der Größe Nordrhein-Westfalens – nicht halten kann, dann ist sie verloren.