Der Landtagsabgeordnete René Wilke (Linke) ist zum neuen Bürgermeister von Frankfurt (Oder) gewählt worden. Wilke, der bei seiner Kandidatur von den Grünen und der Frankfurter Bürgerinitiative unterstützt wurde, setzte sich in einer Stichwahl mit 62,5 Prozent gegen den bisherigen Amtsinhaber Martin Wilke (parteilos) durch. Martin Wilke gratulierte seinem Nachfolger zum Wahlsieg.

Er wolle seiner Heimatstadt wieder zu einer größeren Bedeutung verhelfen, sagte René Wilke gegenüber der Märkischen AllgemeinenZeitung. Frankfurt sei arm und nicht sexy, hatte er im Wahlkampf betont – das sorgte für Kritik von Martin Wilke. Eine solche Äußerung sei nicht hilfreich. Es sei vieles erreicht worden, es "könne aber natürlich noch besser werden", sagte Martin Wilke.

In der ersten Runde der Wahl vor zwei Wochen war René Wilke mit 43,3 Prozent klarer Sieger geworden. Der liberal-konservative Martin Wilke bekam 20 Prozent der Stimmen. Die AfD erreichte 17 Prozent, die CDU 14,2 und die SPD fünf Prozent. Da keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit der Stimmen bekam, musste die Stichwahl zwischen den beiden Bestplatzierten durchgeführt werden.

René Wilke wird mit 33 Jahren nun jüngster Oberbürgermeister einer kreisfreien Stadt in Brandenburg, zudem ist er der erste Linkenpolitiker, der dieses Amt in Brandenburg bekleidet. Wie die Märkische AllgemeineZeitung schreibt, werfen ihm Kritiker wegen seines Alters mangelnde Kompetenz vor. Andere erwarten sich von ihm einen neuen Politikstil und eine stärkere Einbeziehung der Bürger. So besuchte der gelernte Bürokaufmann und Mediator im Wahlkampf in "Wohnzimmer-Gesprächen" potenzielle Wähler zu Hause.

Der bisherige Amtsinhaber Martin Wilke wird von seinen Gegnern vor allem für die schlechte finanzielle Lage der Stadt verantwortlich gemacht. So habe Frankfurt (Oder) 131 Millionen Euro Schulden und der Haushalt für das kommende Jahr sei von der Kommunalaufsicht bisher nicht genehmigt worden, sagen seine Kritiker von der Frankfurter Bürgerinitiative. Statt für Besserung zu sorgen, habe der aus der Wirtschaft kommende Oberbürgermeister alles "nur noch verschlimmert".