Außerhalb Sachsens ist nun die Diskussion über die Folgen des Konventsbeschlusses angelaufen. Dass Bewegungen wie Pegida als Bewegungen von der Straße der AfD nützlich sein können, betonen AfD-Spitzenleute seit Jahren. Doch das Kippen des Abgrenzungsbeschlusses könnte sich nun kontraproduktiv auswirken, in Sachsen, aber auch anderswo. Aus der Partei werden Zweifel laut, warum man die Hürde per Beschluss niederreißen musste. Denn die Stimmen der Pegida-Anhänger habe die AfD bisher immer sicher gehabt, heißt es. In Sachsen stellt die Bewegung den Hauptteil der Protestwähler. Zur Bundestagswahl 2017 wurde die AfD stärker als die CDU. Sachsen könnte das erste Land werden, in dem die AfD die CDU zu Koalitionsverhandlungen einlädt.

Seit Jahren warnen interne Skeptiker vor dem "Igittfaktor" Pegida. Der Konventsbeschluss könnte nun weitere bürgerliche-konservative Wählerinnen und Wähler zur CDU treiben, befürchtet der Sachse Hütter. "Die Gefahr besteht." In Nordrhein-Westfalen weisen die Umfragewerte bereits nach unten, die Fünfprozenthürde ist nah. "Es geht rapide bergab", warnt der Bundestagsabgeordnete Uwe Witt, der zur Alternativen Mitte gehört, dem innerparteilichen Gegengewicht zu den Rechtsauslegern um Poggenburg und Höcke. "Der Wähler wird uns spüren lassen, dass wir die Grenze stetig aufweichen."

Letzte Barriere nach ganz rechts

Die letzte Barriere ist nun die Unvereinbarkeitsliste der AfD. Sie soll verhindern, dass in die AfD aufgenommen wird, wer extremistischen Organisationen wie der NPD angehört hat oder sich in der völkischen Identitären Bewegung engagiert. Auf deren Veranstaltungen zu sprechen bleibt AfD-Mitgliedern untersagt. Doch auch diese Liste sollte jüngst geschreddert werden. Zum jüngsten Landesparteitag der AfD Sachsen wurde ein entsprechender Antrag zwar zurückgestellt. Doch sein Verfasser, der Bundestagsabgeordnete Detlev Spangenberg, ist entschlossen, ihn bei nächster Gelegenheit neu zu stellen.

Für Witt ist bereits  jetzt "die Grenze des Erträglichen erreicht". Er warnt, die AfD stehe mit dem neuen Konventsbeschluss "an der roten Linie". Skeptiker wie Mario Assmann aus Dresdens Nachbarstadt Meißen vertrauen nun auf "Fingerspitzengefühl" der Funktionäre, wenn sie Redeauftritte bei anderen Organisationen zusagen. Hütter erinnert an die "moralische Verpflichtung jedes AfD-Mitglieds". Der Dauerkonflikt um Pegida ist längst nicht beendet.