Die Bundesregierung weist vier russische Diplomaten aus. Dies sei eine Reaktion auf den Giftanschlag auf den russischen Ex-Doppelagenten Sergej Skripal und dessen Tochter im englischen Salisbury, teilte das Auswärtige Amt mit. Die Betroffenen müssten innerhalb von sieben Tagen ausreisen. Zuvor hatten die Süddeutsche Zeitung und die Deutsche Presseagentur darüber berichtet.

"Wir haben heute vier russische Diplomaten aus Deutschland ausgewiesen. Denn nach dem Giftanschlag von Salisbury trägt Russland noch immer nicht zur Aufklärung bei", hieß es in der Mitteilung des Auswärtigen Amtes. Der Schritt erfolge auch vor dem Hintergrund des jüngsten Angriffs gegen das geschützte IT-System der Bundesregierung, der "sich nach bisherigen Erkenntnissen mit hoher Wahrscheinlichkeit russischen Quellen zurechnen lässt", hieß es weiter.

Außenminister Heiko Maas twitterte: "Wir senden damit auch ein Zeichen der Solidarität mit Großbritannien." Die Entscheidung sei "nicht leichtfertig getroffen" worden. Aber Fakten und Indizien im Fall Skripal wiesen nach Russland, schrieb Maas weiter. Die russische Regierung habe bisher keine der offenen Fragen beantwortet und keine Bereitschaft gezeigt, eine konstruktive Rolle bei der Aufklärung des Anschlags spielen zu wollen. "Russland bleibt aufgefordert, endlich seiner Verantwortung gerecht zu werden, eine konstruktive Rolle einzunehmen und seiner Aufklärungspflicht nachzukommen."

Auch die USA weisen 60 Russen aus

EU-Ratspräsident Donald Tusk teilte mit, insgesamt würden 14 EU-Staaten russische Diplomaten ausweisen, darunter Frankreich, die Niederlande, Lettland, Litauen, Estland, Polen, Tschechien und Italien. Es sei zudem nicht ausgeschlossen, dass in den kommenden Tagen und Wochen weitere Maßnahmen ergriffen würden, sagte Tusk.

Der polnische Außenminister Jacek Czaputowicz sagte, die Regierung in Warschau halte die Maßnahme für die richtige Antwort auf die "aggressiven Handlungen" Russlands. In Tschechien sagte der geschäftsführende Ministerpräsident Andrej Babiš: "Die Russen haben alle Grenzen überschritten, als sie sagten, dass das Nervengift Nowitschok von uns stammen könnte – das ist schlicht eine Lüge."

Auch Kanada und die USA zeigen sich solidarisch mit Großbritannien: Ein Mitarbeiter der US-Regierung sagte, 60 "bekannte Mitarbeiter der Geheimdienste" müssten das Land verlassen, darunter zwölf Mitarbeiter der russischen Vertretung am UN-Hauptquartier in New York. Sie hätten sieben Tage Zeit, um auszureisen. Zudem werde das Konsulat in Seattle im US-Bundesstaat Washington geschlossen.

Nach den Ausweisungen würden immer noch mehr als 40 bekannte russische Geheimdienstmitarbeiter in den USA tätig sein, sagte ein Regierungsmitarbeiter. Doch würden mit der Aktion die Fähigkeiten der russischen Regierung, in den USA geheimdienstliche Informationen zu sammeln, "signifikant" eingeschränkt. 

Die Ukraine teilte mit, sie weise 13 russische Diplomaten aus. Dies sei eine Antwort auf die "zynische chemische Attacke in Salisbury", sagte Präsident Petro Poroschenko. De facto seien die diplomatischen Beziehungen zum Nachbarn Russland eingefroren, hieß es. Außer der Botschaft in Kiew unterhält Russland noch drei Konsulate in Charkiw, Lwiw und Odessa.

Großbritannien sieht Russland in der Verantwortung

Premierministerin Theresa May sagte am Montag im britischen Parlament: "Zusammen haben wir die Botschaft gesendet, dass wir Russlands fortgesetzte Versuche, sich über internationales Recht hinwegzusetzen und unsere Werte zu unterminieren, nicht tolerieren." May macht Russland für den Giftanschlag auf Skripal und seine Tochter Julija verantwortlich. Auf dem EU-Gipfel vergangene Woche in Brüssel hatte sie die EU-Staats- und Regierungschefs über den Stand der Ermittlungen informiert. Auch forderte sie die anderen EU-Staaten auf, Maßnahmen gegen Russland zu ergreifen.

Zuvor hatte Großbritannien 23 russische Diplomaten des Landes verwiesen. Russland reagierte seinerseits mit der Ausweisung britischer Diplomaten. Häufig sind Diplomaten auch für die Geheimdienste eines Landes tätig.

Zum Abschluss des Gipfeltreffens hatten die Staats- und Regierungschefs gemeinsam erklärt, dass Russland sehr wahrscheinlich für den Angriff gegen Skripal verantwortlich sei. Der EU-Botschafter war zu Konsultationen zurückgerufen worden. Dies galt als Zeichen des Protests und der diplomatischen Spannungen. Nach offiziellen Angaben ist es das erste Mal, dass die EU zu dem Mittel greift.

Russland kündigt Reaktionen an

Der russische Botschafter in Berlin, Sergej Netschajew, hatte bereits am Samstag vor Gegenmaßnahmen gewarnt. Am Montag teilte das Außenministerium in Moskau mit, natürlich werde Russland reagieren: "Es versteht sich von selbst, dass der unfreundliche Schritt der Ländergruppe nicht folgenlos bleiben wird."

Die Verbündeten Großbritanniens "folgen blind dem Grundsatz der euroatlantischen Einheit entgegen des gesunden Menschenverstandes", hieß es in der Mitteilung. Es gebe keine objektiven Beweise, dass die Regierung in Moskau für den Anschlag verantwortlich sei.