Die SPD geht nach Einschätzung von Fraktionschefin Andrea Nahles gestärkt aus der Diskussion um eine Neuauflage der großen Koalition hervor. Ihre Partei "sei geeint durch die Debatte der letzten Wochen", sagte Nahles den ARD-Tagesthemen. Sie empfinde die SPD überhaupt nicht als gespalten.

Der kommissarische SPD-Vorsitzende Olaf Scholz sagte dem ZDF, die Diskussion habe die Partei zusammengeführt und nicht auseinander: "Da ist keine Teilung deutlich geworden." Scholz kündigte an, auch diejenigen mitnehmen zu wollen, die gegen die große Koalition gestimmt hätten.

Nordrhein-Westfalens SPD-Landeschef Michael Groschek mahnte seine Partei derweil zur Einigkeit. Befürworter wie Gegner einer großen Koalition seien herzlich eingeladen, die Reihen zu schließen und gemeinsam bei der Erneuerung der SPD mitzumachen, sagte er dem Kölner Stadt-Anzeiger. Der politische Gegner stehe rechts von der SPD und nicht in der SPD, mahnte Groschek.

Der NRW-Landeschef ist nach eigenen Worten überzeugt, dass die neuerliche große Koalition vier Jahre hält, "wenn der Koalitionsvertrag umgesetzt und die CDU nicht wortbrüchig wird". Die SPD werde "sehr genau überprüfen, ob die Union sich dieses Mal vertragstreu zeigt".

Zuvor war das Ergebnis des Mitgliederentscheids über eine Neuauflage der großen Koalition bekannt gegeben worden. Demnach votierten rund 66 Prozent für ein Bündnis mit CDU und CSU. Angesichts der Widerstände innerhalb der SPD gegen eine neue große Koalition war ein deutlich knapperer Ausgang erwartet worden.

Entscheidung über Ministerposten steht an

Bis zum kommenden Wochenende will die Parteispitze Klarheit über die Besetzung ihrer sechs Ministerposten schaffen. Das kündigte Scholz in einem Interview mit dem Hamburger Abendblatt an. Nach dem Ja der SPD-Mitglieder werde man nun besprechen, wer für die Partei ins Kabinett gehe, sagte Scholz: "Ich denke, zum nächsten Wochenende werden wir Klarheit haben."

Die Parteispitze will demnach drei Frauen und drei Männern berufen. Scholz selbst gilt als gesetzt für das Amt des Finanzministers und Vizekanzlers. Mit Spannung wird erwartet, wer das Außenamt bekommt. Amtsinhaber und Ex-Parteichef Sigmar Gabriel werden wegen seines zerrütteten Verhältnisses zu Scholz und Nahles nur geringe Chancen eingeräumt.