Die AfD-Parteispitze empfiehlt, die Desiderius-Erasmus-Stiftung als parteinah anzuerkennen. Ein Parteitag Ende Juni in Augsburg soll darüber eine endgültige Entscheidung treffen. Die AfD hatte parteiintern lange über das Thema debattiert. Mehrere Einrichtungen hatten darum konkurriert, von der AfD als parteinahe Stiftung anerkannt zu werden, darunter die Stresemann-Stiftung, die Parteichef Alexander Gauland favorisierte.

Wie die Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf Parteikreise berichtet, soll es sich bei der Entscheidung um einen Kompromiss handeln. Die Stresemann-Stiftung und die Desiderius-Erasmus-Stiftung sollen demnach "strukturell und personell zusammengeführt werden". Die ehemalige CDU-Politikerin Erika Steinbach schrieb bei Twitter: "Miteinander und nicht gegeneinander wollen die Vertreter beider in Rede stehenden Stiftungen die Arbeit gestalten."

Steinbach leitet die nach dem niederländischen Humanisten Erasmus von Rotterdam benannte Stiftung seit März. Die ehemalige Präsidentin des Bundes der Vertriebenen hatte die AfD bereits bei der Bundestagswahl im vergangenen Jahr unterstützt. Vor Kurzem wurden außerdem der Staatsrechtler Karl Albrecht Schachtschneider und der Publizist Karlheinz Weißmann in das Kuratorium der Stiftung berufen. Beide gelten als Vertreter der Neuen Rechten. Weißmann ist langjähriger Autor der rechten Wochenzeitung Junge Freiheit.

"Ideenschmiede der AfD"

"Als Ideenschmiede der AfD wird die Desiderius-Erasmus-Stiftung wichtige Impulse für die politische Arbeit in unserem Land geben", sagte die AfD-Fraktionsvorsitzende Alice Weidel. Die Stiftung werde "im Sinne eines freiheitlich-konservativen Weltbildes" wirken. Mit der früheren CDU-Politikerin Erika Steinbach stehe eine "großartige Persönlichkeit" an der Spitze, sagte Weidel weiter.

Die nach dem 1929 verstorbenen nationalliberalen Politiker Gustav Stresemann benannte Stresemann-Stiftung existiert als eingetragener Verein seit 2011, die Gründer engagierten sich in der islamfeindlichen Partei Die Freiheit. Ende November war ein neuer Vorstand gewählt worden, der aus Funktionären der AfD besteht, wie der ehemalige Geschäftsführer Felix Strüning auf seiner Website schreibt. Die Enkel von Stresemann, der in der Weimarer Republik Reichskanzler war, hatten angekündigt, im Falle der Nutzung des Namens rechtliche Schritte gegen die AfD einzuleiten.