In Spitzenämtern waren Frauen in der FDP immer eine Ausnahme, daran hat sich bis heute nichts geändert. Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Nicola Beer und Katja Suding sind die einzigen Frauen, die derzeit neben 15 Männern im Präsidium sitzen. Schon zur Bundestagswahl zeigte sich das Problem: Der Anteil der Kandidatinnen auf den Landeslisten war bei der FDP mit 22,6 Prozent so gering wie bei fast keiner anderen Partei – nur die AfD wartete mit noch weniger weiblichem Personal auf.  

Aktuell liegt der Frauenanteil in der gesamten FDP bei 21,88 Prozent. "Als Partei für Vielfalt und Chancengerechtigkeit müssen wir selbstkritisch feststellen: Bei uns engagieren sich leider zu wenig Frauen", sagte der FDP-Bundesgeschäftsführer Marco Mendorf der Welt. Um das zu ändern, müsse die FDP "auch über bisherige Tabus nachdenken wie eine Selbstverpflichtung und eine konkrete Quote, wenn wir damit Frauen besser fördern können als bisher".

Denn das Problem trifft nicht nur die FDP-Spitze. Bei den Neumitgliedern liegt der Frauenanteil bei 18,52 Prozent. Und auch in der Wählerschaft spiegelt sich die strukturelle Schwäche wider: Bei der Bundestagswahl 2017 wählten zwölf Prozent der Männer liberal, aber nur zehn Prozent der Frauen. 

Mendorf erforschte das Frauen-Problem auf Bitten von Parteichef Christian Linder. Das Ergebnis wird dem Parteipräsidium am heutigen Montag vorgestellt. Die Beschlussvorlage "Mehr Chancen durch mehr Vielfalt – Bildung einer Ad-hoc-Arbeitsgruppe Diversity Management" nennt laut Welt 13 mögliche Maßnahmen, die ergebnisoffen diskutiert werden sollen. So soll geprüft werden, ob die Partei ein frauenfreundlicher Arbeitgeber ist, ob sie weibliche Vorbilder ausreichend fördert, Mentoringprogramme ausbauen oder spezifische Kampagnen zur Gewinnung weiblicher Mitglieder initiieren sollte. Auch die von der FDP bislang abgelehnte Frauenquote wird als eine Maßnahme angeregt.

Die Arbeitsgruppe soll bereits auf dem Parteitag Mitte Mai einen Zwischenbericht vorlegen. Ende des Jahres soll der Abschlussbericht fertiggestellt sein.

Schon mehrfach hat die FDP über parteiinterne Frauenförderung gestritten. So wurde im Jahr 2013 der Antrag prominenter FDP-Frauen, eine 40 Prozent Frauenquote in den Gremien einzuführen, noch nicht mal auf dem Parteitag behandelt.