Der begnadete Philosophievermittler Wolfram Eilenberger schreibt, dass Martin Heidegger "als prägender Vordenker der deutschen Ökologiebewegung des Nachkriegs zu gelten hat: Ganzheitlichkeit, Umweltbewusstsein, Technologiekritik, Naturverbundenheit". Das klingt irgendwie grün.

Heidegger war freilich auch NSDAP-Mitglied. Als Universitätsrektor rief er den Studenten zu: "Der Führer selbst und er allein ist die heutige und künftige Wirklichkeit und ihr Gesetz." Das klingt gar nicht mehr so grün. Doch wenn man nach Manfred Güllner geht, dann allerdings schon. Denn der Demoskop meint, der Kern der grünen Partei sei "eine Revolte gegen die 'Moderne'". Das ist eine Parallele zu Heidegger. Sie übten eine "grüne Diktatur" aus; strukturell gebe es Ähnlichkeiten mit der NSDAP. Da ist die nächste Parallele. "Die Grünen", so Güllner, "akzeptieren bis heute weitgehend nur ihr eigenes, eher monolithisches Wertesystem, das sie in extrem intoleranter Weise für das einzig richtige und für sie verbindliche halten." Und noch eine Parallele.

Ist diese Parallelisierung nicht ein Unding? Absolut. Diese Zuspitzungen dienen sicher eher der Vermarktung des Buches, aus dem sie stammen, als der Beschreibung der Wirklichkeit. Aber gilt das nicht auch für andere Zuspitzungen? Nur ein paar aktuelle Beispiele: Das ist "die rechteste FDP seit 1968" (Reinhard Bütikofer). Die FDP sei "asozial" (Robert Habeck). Es handele sich um eine "rechte" Protestpartei, die "dezidiert europafeindlich" und "flüchtlingsfeindlich" sei (Jürgen Trittin).

Man benötigt nicht viel Nachdenklichkeit, um einzusehen, dass solche Angriffe der Grünen bei der FDP nicht anders wirken als die Vergleiche, die Güllner zu den Grünen anstellt. Und wer jetzt meint, die Vorhaltungen der Grünen gegen die FDP seien aber "die heutige und künftige Wirklichkeit", der gibt in diesem kleinen Empathie-Experiment vermutlich Güllner mehr Recht als beabsichtigt.

Das Verhältnis von FDP und Grünen ist seit vielen Jahren vergiftet. Das hat vor allem drei Gründe.

Erstens: Feindbilder sind praktisch. Als die Grünen nach dem katastrophalen Start der rot-grünen Bundesregierung 1998 in die Defensive gerieten, musste Joschka Fischer nur eine Frage stellen, um die Reihen zu schließen: "Wer soll denn das Land sonst regieren? Etwa der Westerwelle?" Auch bei jedem FDP-Parteitag ist eine Pointe auf Kosten der Grünen eine sichere Applausstelle.

Zweitens: Die Grünen haben eine sehr homogene Kernanhängerschaft. Das Sinus-Institut hat dafür eigens einen Begriff geschaffen: das sozial-ökologische Milieu. Es hat rigide Vorstellungen vom guten Leben. Diese unterscheiden sich scharf von den Milieus, aus denen sich der deutlich vielfältigere harte Kern der FDP-Anhänger rekrutiert. Wollen beide Parteien ihre Kernanhängerinnen und -anhänger mobilisieren, führt dies zwangsläufig zu inhaltlichen Konflikten. Das ist eigentlich unproblematisch. Doch die Homogenität in der Kernanhängerschaft der Grünen lässt eine politische Position mangels internen Widerspruchs schnell zu einer scheinbaren Wahrheit erwachsen. Die Gegenposition erscheint schnell als Häresie. Die gehört dann bekanntlich auf den Scheiterhaufen. Die Hitze in der Auseinandersetzung steigt.