Erstmals seit 16 Jahren wollen die Grünen ein neues Grundsatzprogramm für ihre Partei erarbeiten und streiten dabei vor allem über Umweltschutz und Gentechnik in der Landwirtschaft. Zwei ihrer maßgeblichen Agrarexperten, der Bundestagsabgeordnete Harald Ebner und der EU-Abgeordnete Martin Häusling, widersprechen der Parteispitze, die sich aufgeschlossen gegenüber neuen Techniken bei der Herstellung von Lebensmitteln zeigt. "Was Mittel zur Lösung von Welternährungsfragen und Klimakrise angeht, so zeigen alle Erfahrungen, dass es dazu Gentechnik nicht braucht", sagte Ebner.

Weniger skeptisch

Am Montag hatte die Grünen-Spitze unter Federführung der beiden Parteivorsitzenden Annalena Baerbock und Robert Habeck ein sogenanntes Impulspapier ausgearbeitet. Es dient als Grundlage für einen "Startkonvent" am kommenden Wochenende, der bis 2020 – zum 40-jährigen Bestehen der Partei – zu einem neuen Grundsatzprogramm führen soll. Grundlage der Überlegungen ist die Feststellung, in einer Zeit der Umbrüche zu leben, in der "alte Muster oftmals nicht mehr greifen".

Hinsichtlich neuer Technologien schlägt der Vorstand in seinem Papier einen ungewohnt forschungsfreundlichen Ton an. "Biotechnologie, Nanotechnologie oder Gentechnik können Krankheiten ausrotten oder heilen", heißt es. Zwar wird die Ablehnung gentechnisch veränderter Lebensmittel bekräftigt, aber es wird auch gefragt, ob neue Technologien nicht helfen könnten, trotz ausbleibender Regenfälle und versalzener Böden die Versorgung mit Nahrungsmitteln zu garantieren. Gemeint ist die neue gentechnische Methode Crispr/Cas.

"Das verspricht die Lobby seit Jahrzehnten"

Dagegen regt sich jetzt innerparteilicher Widerstand. Auch neue Gentechniken seien im Grunde ein Teil der alten Gentechnik, argumentieren die beiden Grünen-Politiker Ebner und Häusling: "Es wird an Genen rumgepfuscht." Bis jetzt habe "die Gentechnik nur dazu geführt, dass wir pestizidresistente Pflanzen haben und der Chemie mehr und nicht weniger Raum gegeben wird", sagte Häusling. Auch Ebner warnte davor, sich von gentechnisch veränderten Pflanzen eine Wende in der globalen Landwirtschaft zu versprechen. "Pflanzen, die gut mit wenig Regen klarkommen, verspricht die Gentechniklobby schon seit Jahrzehnten ohne Ergebnis."

Parteichef Habeck zufolge wollen die Grünen künftig mehr sein als eine reine Ökopartei. "Wir wollen nicht in einer Ökoecke verkümmern", sagte er im Deutschlandfunk. "Wir wollen die Ökoecke größer machen." Fragen des Umweltschutzes müssten mit anderen Themen verzahnt werden. Es könne nicht sein, "dass man sagt, erst klären wir die relevanten Dinge und dann machen wir das Ökozeugs noch obendrauf", sagte Habeck. "Die Grünen als Ökoapp, die man sich quasi dazu backen kann, das geht nicht mehr."