Am Montag, nach einem diplomatisch aufreibenden Wochenende, gab Heiko Maas vor dem EU-Außenministertreffen in Luxemburg ein Statement ab: Nach den Militärschlägen gegen mutmaßliche Chemiewaffenlabore in Syrien sei es dringend notwendig, zum Dialog zurückzukehren, sagte der deutsche Außenminister in der Frühlingssonne vor wehenden Fahnen der europäischen Mitgliedstaaten: "Ob es einem gefällt oder nicht: Ohne Russland wird man diesen Konflikt nicht lösen können." Ähnliche Sätze hatte Maas am Sonntagabend schon in Interviews mit dem ZDF und der ARD formuliert.

Die Syrien-Krise ist die erste große Herausforderung des neuen Außenministers, der erst seit fünf Wochen im Amt ist. Ausgerechnet Heiko Maas, der kaum diplomatische Erfahrung für das Amt mitbrachte, ist nun Akteur in einem Konflikt, bei dem Pessimisten bereits den Weltfrieden in Gefahr sehen.

Deutschland hat eine schwierige Rolle in der Syrien-Krise: An den Militärschlägen der US-amerikanisch-britisch-französischen Allianz hat sich die große Koalition in Berlin nicht beteiligt. Die Kanzlerin wie auch Maas haben sie aber ausdrücklich als Zeichen gegen den Einsatz von Chemiewaffen begrüßt. Das wiederum hat Russland, das sich als Schutzmacht des syrischen Machthabers Baschar al-Assad sieht, verärgert.

Trumps williger Komplize

Deutschland, sagt Maas nun, wolle mithelfen, nach diplomatischen Wegen zu suchen, zu einem Waffenstillstand, einer Übergangsregierung ohne Assad und zu freien Wahlen in Syrien zu finden. "Dass jemand, der Chemiewaffen einsetzt gegen die eigene Bevölkerung, ein Teil der Lösung sein kann, das kann sich niemand vorstellen", sagte Maas in Luxemburg.

Er weiß selbst, dass nichts davon so schnell passieren wird: Assad hat den Krieg in Syrien mit Russlands Hilfe fast gewonnen und die Bundesregierung im Konflikt wenig mitzureden. "Die Europäer und die Amerikaner spielen in Syrien keine Rolle mehr", hatte der Nahost-Experte Guido Steinberg von der Stiftung Wissenschaft und Politik am Wochenende in der ARD gesagt. Russland, der Iran und andere Regionalmächte teilten den Einfluss zunehmend unter sich auf.

Für Maas noch komplizierter ist, dass die SPD sich als "Friedenspartei" sieht: Sie steht Militärschlägen grundsätzlich skeptisch gegenüber. Vor allem, dass der aktuelle gegen Syrien vom aufbrausenden US-Präsidenten Donald Trump angekündigt worden war, besorgt einige Genossen: Regierungsverantwortung hin oder her, die SPD wolle doch nicht Trumps williger Komplize sein, ist zu hören.

SPD-Abgeordnete, die besonders streng mit dem neuen Außenminister sind, verweisen empört darauf, in der Syrien-Krise habe er bisher wenig eigenes Profil bewiesen. Er plappere nach, was Merkel ihm vorgebe. Andere halten dagegen: Das sei die naive Außensicht der ewigen Nörgler, Maas habe in einer schwierigen diplomatischen Lage nicht durch demonstrative Distanz zu Merkel einen Keil zwischen die sowieso geschwächten westlichen Bündnispartner treiben dürfen.

Auch SPD-Vize Ralf Stegner hatte sich am Wochenende kritisch zum Vorgehen der westlichen Allianz geäußert. Das will er im Gespräch mit ZEIT ONLINE ausdrücklich nicht als Kritik an Minister Maas verstanden wissen. Stegner sagt: Ganz allgemein müsse die Bundesrepublik nun "den Eindruck vermeiden, dass wir Militäraktionen grundsätzlich immer befürworten, und vor allem, dass die deutsche Russlandpolitik verändert werden soll".

Russlandkritischer als die Vorgänger

Die Sozialdemokraten streiten schon lange über ihr Verhältnis zu Russland. Viele ältere Genossen sind stolz auf die Entspannungspolitik unter Willy Brandt, die das Verhältnis zu Moskau auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges verbesserte. Ob Deutschland aktuell zu streng oder zu lasch mit Russlands Präsident Putin umgehe, das ist bis in die Führungsriege hinein umstritten.

Heiko Maas war in den ersten Wochen seiner Amtszeit durch dezidiert russlandkritische Kommentare aufgefallen. "Russland agiert leider zunehmend feindselig", sagte der deutsche Außenminister in einem ersten Interview im Spiegel auf die Frage, ob er weniger Verständnis für Russland habe als seine Vorgänger im Amt. Auch im Fall des vergifteten russischen Ex-Agenten Sergeij Skripal hatte sich der neue deutsche Chefdiplomat schnell überzeugt gezeigt, dass die russische Regierung dahinter stecke. Russland sei ein "schwieriger Partner", der leider keine konstruktiven Beiträge zur Lösung der vielen Konflikte leiste, das war ein typischer Satz des deutschen Außenministers in den vergangenen Tagen. In Maas' Umfeld wird betont, dass er jeden Vorstoß zu Russland und Syrien auch eng mit Fraktionschefin Andrea Nahles und Vizekanzler Olaf Scholz abspreche.