Das von der Bundesregierung geplante Baukindergeld für junge Familien könnte nach Einschätzung von Immobilienexperten des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) nur geringe positive Effekte zeitigen. Das Baukindergeld werde "vor allem den Neubau in Regionen anregen, in denen nur wenig Baubedarf vorliegt", heißt es in einem Gutachten des arbeitgebernahen Instituts (pdf). Dadurch könnten sich dort wegen der demografischen Entwicklung Leerstandsprobleme noch verstärken.

Insgesamt sei damit zu rechnen, dass das Baukindergeld "ähnlich negative Effekte wie die im Jahr 2006 zu Recht abgeschaffte Eigenheimzulage" entfalte, heißt es in dem Gutachten, über das zunächst die Rheinische Post berichtete. Neben den hohen Kosten für die Staatskasse sei "vor allem die Anreizwirkung des Baukindergeldes kritisch".

Hohe Kosten für den Staat, mehr Leerstandsprobleme in strukturschwachen Regionen

Das Baukindergeld soll nach dem Willen der Union noch vor der Sommerpause beschlossen werden. Ziel ist es, dass sich Familien leichter ein Eigenheim leisten können. Voraussetzung für die Zulage ist ein zu versteuerndes Haushaltseinkommen von maximal 75.000 Euro pro Jahr plus 15.000 Euro Freibetrag pro Kind. Dann soll das Baukindergeld über einen Zeitraum von zehn Jahren in Höhe von 1.200 Euro pro Kind und Jahr gezahlt werden.

Aufgrund dieses festen Betrags werde die Wirkung des Baukindergeldes in ländlichen Räumen und strukturschwachen Städten deutlich größer sein als in den gefragten Ballungsräumen, argumentieren die Studienautoren. Ebenso wie die Eigenheimzulage werde das Baukindergeld damit vor allem den Neubau in Regionen anregen, in denen es nur wenig Bedarf gebe. "Daher wäre es zumindest erforderlich, die Förderung in demografisch belasteten Märkten nur für den Kauf einer Bestandsimmobilie zu gewähren", fordern die Forscher. 

Zudem drohten "Mitnahmeeffekte", da auch viele Haushalte eine Förderung erhalten würden, die auch ohne sie Wohneigentum erworben hätten, warnen die Autoren weiter.

Baukindergeld kann "eingepreist" werden

In Ballungsgebieten mit einem geringen Angebot an Bauland werde das Baukindergeld hingegen zu höheren Preisen beitragen, "da Bauträger das Baukindergeld einpreisen können", heißt es in dem Gutachten weiter. Dabei sei es von Seiten der Politik "grundsätzlich richtig", das Wohneigentum wieder stärker in den Blick zu nehmen. Allerdings sei es erforderlich, den regional sehr unterschiedlichen langfristigen Bedarf im Blick zu behalten. Das "entscheidende Nadelöhr" bestehe in der Bereitstellung von Bauland in den Metropolen, erklärte das IW.

Die große Koalition aus Union und SPD hat sich zum Ziel gesetzt, 1,5 Millionen neue Wohnungen und Eigenheime zu bauen. Dafür sollen neben dem Baukindergeld auch zwei Milliarden Euro für den sozialen Wohnungsbau zur Verfügung gestellt werden.