Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) will verhindern, dass Angaben auf Lebensmittelpackungen unklar und falsch sind. "Schönrechnen und Schönreden darf nicht sein", sagte Klöckner. Außerdem seien manche Informationen ungenau. Beispielsweise hätten die auf Verpackungen angegebenen Portionsgrößen bei Cornflakes und Müsli "oft nicht viel mit einem realistischen Verzehrverhalten zu tun". Verbraucherschützer kritisieren seit langem, dass Hersteller den Kaloriengehalt für zu kleine Mengen angeben. 

Statt einer harten Regulierung setzt Klöckner auf den Dialog mit der Lebensmittelbranche. Gemeinsam solle erörtert werden, welche Wege möglich seien. Eine "Innovationsstrategie" solle zu weniger Zucker, Fett und Salz in Fertigprodukten führen. 

Das sogenannte Ampelmodell, nach dem Lebensmittel je nach Gehalt von Zucker, Salz und Fett in den Farben Rot, Gelb oder Grün gekennzeichnet werden, lehnt Klöckner im Einklang mit der Lebensmittelindustrie weiterhin ab. "Wir müssen Angaben zu Nährwerten auch so visualisieren, dass eine Vergleichbarkeit da ist – aber ohne zu simplifizieren." Verbraucherschützer und die SPD sind für das Modell.

"Ich will keine Geschmackspolizei sein"

Union und SPD hatten im Koalitionsvertrag vereinbart, das System der Nährwertkennzeichnungen für verarbeitete Produkte zu überprüfen und weiterzuentwickeln. Die Koalition will sich um mehr Transparenz und Information für Verbraucherinnen bemühen, unter anderem auch durch eine bessere Kennzeichnung. Die Lebensmittelampel stand allerdings nicht im Koalitionsvertrag.

Mario Tama/Getty Images
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Derzeit ist es den Herstellern vorgeschrieben, eine Tabelle auf die Packung zu drucken, in der unter anderem der Gehalt an Zucker, Fett und Salz pro 100 Gramm genannt werden muss. Außerdem sind Angaben für Portionen möglich, bei denen Hersteller selbst eine Grammzahl festlegen können.

"Ich will weder Geschmackspolizei sein noch jemandem vorschreiben, was er täglich essen soll. Da ist in einer freien Gesellschaft schon jeder selbst verantwortlich", sagte Klöckner. "Aber mit besseren Informationen auf der Verpackung und Ernährungsbildung will ich den Rahmen schaffen, dass man leicht eine gesunde und gute Wahl treffen kann."