Kardinal Reinhard Marx hat Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) für dessen Kreuz-Beschluss kritisiert. Es sei "Spaltung, Unruhe, Gegeneinander" entstanden, sagte der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz der Süddeutschen Zeitung (SZ). "Wenn das Kreuz nur als kulturelles Symbol gesehen wird, hat man es nicht verstanden. Dann würde das Kreuz im Namen des Staates enteignet."

Die bayerische Landesregierung hatte am vergangenen Dienstag beschlossen, dass ab dem 1. Juni in jeder staatlichen Behörde ein Kreuz hängen soll. Der Schritt soll der Landesregierung zufolge "die geschichtliche und kulturelle Prägung Bayerns zum Ausdruck bringen". 

"Ein Kreuz aufhängen heißt: Ich möchte mich an den Worten dessen orientieren, der am Kreuz für die ganze Welt gestorben ist", sagte Marx der SZ. "Das ist eine Provokation, für jeden Christen, für die Kirche, aber auch für den Staat, der sich auf dieses Zeichen beziehen will." 

Eine gesellschaftliche Debatte über das Kreuz befürworte er aber. "Was heißt es, in einem christlich geprägten Land zu leben?", fragte Marx. Dafür müsse man aber alle einbeziehen: Christen, Muslime, Juden und jene, die gar nicht gläubig sind.

Auch der Landesbischof der evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern, Heinrich Bedford-Strohm, äußerte sich zu dem Kreuz-Erlass. "Wer sich jeden Tag für den Glauben engagiert, es aber falsch findet, das über eine staatliche Verordnung zu machen, ist deswegen sicher kein Selbstverleugner", schrieb Bedford-Strohm auf seiner Facebook-Seite.

 "Populistische Symbol-Wahlkampfaktion"

Der Beschluss der bayerischen Landesregierung hatte viel Kritik und eine größere öffentliche Debatte ausgelöst. FDP-Chef Christian Lindner warf Söder beispielsweise vor, das religiöse Symbol für eine "populistische Symbol-Wahlkampfaktion" zu benutzen. Am 14. Oktober 2018 wird in Bayern ein neuer Landtag gewählt. Grünen-Fraktionschefin und ehemalige Vorsitzende der Synode der evangelischen Kirche in Deutschland Katrin Göring-Eckardt sagte, der Erlass sei "beschämend" für Christen.  

Eine deutliche Mehrheit der Deutschen lehnt die Kreuzpflicht einer Umfrage zufolge ab. In einer Emnid-Umfrage im Auftrag der Bild am Sonntag gaben 64 Prozent der Befragten an, sie seien dagegen, dass in allen staatlichen Behörden in Deutschland christliche Kreuze aufgehängt würden. Dafür sprachen sich 29 Prozent aus, sieben Prozent hatten keine klare Meinung oder äußerten sich nicht.