Bundestagsvizepräsident Thomas Oppermann hat den jüngsten Angriff auf zwei Kippa tragende Männer in Berlin verurteilt. "Das Judentum gehört zu Deutschland – wer das nicht akzeptiert, hat hier nichts verloren", sagte er der Neuen Osnabrücker Zeitung. "Es muss klar sein: Für Antisemitismus gibt es keinen Platz in Deutschland." Der Vorfall in Berlin sei gravierend und leider kein Einzelfall. Nach Auffassung des SPD-Politikers müsse der Gefahr eines durch Zuwanderung erstarkenden Antisemitismus die gleiche hohe Aufmerksamkeit zuteil werden wie dem bestehenden Antisemitismus in Deutschland.

Einheimische müssten genau wie Einwanderer die Rechte Andersgläubiger respektieren. Viele arabische Jugendliche wüchsen in einer "antiisraelischen Grundstimmung" auf, während Rechtsextreme Holocaust relativierten, sagte Oppermann. Zentraler Auftrag aller Bildungsinstitutionen sei es, gegen Rassismus und Antisemitismus zu immunisieren. Die Kultusminister der Länder müssten für die Schulen gezielt den Antisemitismus, seine Ursachen und seine Bekämpfung zum Gegenstand des Schulunterrichts machen. 

Eine starke Zunahme antisemitischer Straftaten lässt sich in den vergangenen Jahren statistisch nicht nachweisen – der Höchststand war 2006 erreicht worden. Der überwiegende Teil der registrierten antisemitischen Delikte ist dem rechten Spektrum zuzuordnen, im vergangenen Jahr waren es 94 Prozent.

Zwei junge Männer mit Kippa waren am Dienstagabend im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg antisemitisch beleidigt und mit einem Gürtel geschlagen worden. Einer der beiden Angegriffenen sagte später, er sei kein Jude, sondern israelischer Araber und stamme aus einer atheistischen Familie. Er habe die Kopfbedeckung als Experiment getragen um herauszufinden, ob man sich damit in Berlin sicher bewegen könne.

Hochrangige Vertreter aus Politik und Judentum hatten den antisemitischen Angriff verurteilt. Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, nahm nach dem Vorfall die muslimischen Verbände in die Pflicht, sich klar gegen Antisemitismus zu positionieren. Der Präsident der Kultusministerkonferenz und thüringische Bildungsminister Helmut Holter (Linke) sprach sich dafür aus, antisemitische und antireligiöse Vorfälle an Schulen bundesweit zu erfassen und die Ursachen zu erforschen.