Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hat die Einrichtung von Ankerzentren bis August gefordert, doch die meisten Bundesländer haben daran offenbar kein Interesse. Auf Anfrage der ZEIT bestätigte nur der Freistaat Sachsen, sich neben Bayern an der Pilotphase für die neuen Einreise- und Abschiebezentren beteiligen zu wollen.

Das Bundesinnenministerium hatte zunächst mitgeteilt, dass auch in Hessen und Nordrhein-Westfalen erste Ankerzentren errichtet würden. Das wiesen die beiden Landesregierungen in der ZEIT jedoch zurück. "Die Information, dass sich Hessen beteiligt, ist falsch", sagte der Sprecher der hessischen Landesregierung. Auch der nordrhein-westfälische Integrationsminister Joachim Stamp (FDP) dementierte eine Zusage seines Bundeslandes. "Grundsätzlich könnten die Ankerzentren dazu beitragen, die Verfahren zu beschleunigen – aber nur, wenn sie richtig gestaltet werden", sagte Stamp der ZEIT. Er habe Seehofer daher wiederholt aufgefordert, genauere Informationen bereitzustellen, wie die Aufnahme- und Abschiebeeinrichtungen aussehen könnten. Doch von der CSU kämen nur Stammtischparolen. Seehofer gehe es offenbar nur um den Wahlkampf, nicht um Lösungen, sagte Stamp.

Auch andere CDU-geführte Bundesländer verweigern Seehofer die Unterstützung. "Wir sind auf keinen Fall dabei", stellte der Regierungssprecher von Schleswig-Holstein klar. Auch Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) will sich nach eigenen Angaben nicht am Pilotprojekt beteiligen. Aus seiner Sicht könnten derartige Zentren falsche Erwartungen wecken, wenn sie eine höhere Zahl an Abschiebungen suggerierten. In Sachsen-Anhalt scheiterten jedoch 70 Prozent der Abschiebungen, weil die Herkunftsstaaten die Menschen nicht zurücknehmen wollten, sagte Stahlknecht. "Da liegt der viel größere Handlungsbedarf."

Andere Bundesländer fürchten, dass Ankerzentren den Bemühungen der Städte und Gemeinden um Integration schaden könnten. "Hier wird eine große Zahl an Menschen für längere Zeit auf engem Raum zusammenleben müssen, von denen viele keine Perspektive mehr für sich sehen", sagte die Regierungssprecherin von Rheinland-Pfalz. "Wir sehen da erhebliches Konfliktpotenzial."