Vermutlich ist das jetzt nicht der perfekte Zeitpunkt, um vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) zu schwärmen. Schließlich steht es derzeit schwer in der Kritik. In Bremen soll eine Amtsleiterin mithilfe einiger Anwälte mindestens 1.200 Asylentscheidungen – vor allem die von Jesiden – an sich gezogen und positiv beschieden haben, die eigentlich hätten abgelehnt oder in andere europäische Länder geschickt werden müssen. Ihre Nachfolgerin behauptet, die Spitze des Hauses sei im Bilde gewesen und habe die Sache unter dem Deckel halten wollen, während das zuständige Bundesinnenministerium gar nicht erst habe informiert werden wollen. Nun sollen 18.000 Entscheidungen überprüft werden. 

Doch es ist nicht nur Bremen. Das Bamf ist seit einigen Jahren offiziell an allem schuld, was schiefläuft mit der Migration in Deutschland.

Im Sommer des Willkommens, 2015, konnte es nicht schnell genug die Tore öffnen. Das war die Zeit, in der Syrer nicht mal mehr eine Anhörung im Bamf machen sollten – Antrag ausfüllen reichte. Dann, spätestens im Winter des Missvergnügens nach der Kölner Silvesternacht, nach den Anschlägen von Paris, Brüssel und Berlin, setzte sich speziell am Bamf die Wut fest, dass man bei Hunderttausenden nicht genau genug hingesehen, nicht schnell genug die Tür zugemacht hatte.

Vor dieser politischen Flatterhaftigkeit, und den nicht unerheblichen Beharrungskräften im Hause, musste sogar die Allzweckwaffe Frank-Jürgen Weise, damals Leiter des Bamf, kapitulieren. Anderthalb Millionen Flüchtlinge in zwei Jahren, wo man sich sonst an 20.000 gewöhnt hatte – das Amt ächzte. Man stellte Tausende neuer Mitarbeiter ein, die dann aber bestenfalls im Schnellverfahren geschult wurden. Kein Wunder, dass da viel schiefging. 350.000 Klagen gegen Asylbescheide sind derzeit vor deutschen Verwaltungsgerichten anhängig – davon haben einige durchaus mit der Qualität der Entscheidungen zu tun, aber keineswegs alle. 90 Prozent aller Abgelehnten klagen, Qualität hin oder her.

Besser machen es die Berliner

Umso schöner ist es, zu sehen, was im Landesankunftzentrum Berlin aus dieser niederschmetternden Lage gemacht wird, wo auch ein Ableger des Bamf angesiedelt ist. Als am Donnerstag die Zeitungen wieder voll waren von neuesten Skandalmeldungen in der Causa Bremen, öffnete man im Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF)  Journalisten die Pforten und erklärte: Wir haben verstanden. Automatische Dialekterkennung, Handyauswertung, digitale Speicherung von Fingerabdrücken – die dann allen anderen beteiligten Behörden sofort zur Verfügung stehen. Transliteration der Namen, sodass nicht zig Schreibweisen ein und desselben arabischen Namens zu Verwirrung führen und die Herkunft schneller zu klären ist: Ein Fall Marco A. scheint im Berliner Ankunftszentrum nicht mehr wirklich denkbar.

Hier sitzt alles unter einem Dach: Bamf, Polizei, Arbeitsagentur, Entscheider, Sozialarbeiter, Ärzte, Staatsanwaltschaft. Nach drei Wochen kann der Antragsteller seine erste Anhörung haben. Die Leute sollen schnell, fair und kompetent betreut werden. Drei Personen sichten einen Fall, nicht nur eine. Auch ein Vorgang wie in Bremen, wo eine Amtsleiterin womöglich aus Liebe in der Jesiden-Solidarität aktiv wird, ist in Berlin schwer vorstellbar. Wenn nur die Hälfte von dem stimmt, was LAF-Sprecher Sascha Langenbach verspricht, dann ist der Berliner Ableger eine hoffnungsvolle Alternative im Konstrukt des Bamf.

"Wir sind sehr freundlich – aber nicht naiv", beschreibt Langenbach die Philosophie des Hauses. Das ist womöglich keine schlechte Beschreibung für das, was viele zwei Jahre nach der Flüchtlingskrise denken. Bernhard Chiari, der Mann, der im Bamf für das Berliner Ankunftszentrum zuständig ist, war einmal Unternehmensberater für Firmen und Behörden im Ausland. Und als  Stabsoffizier der Bundeswehr mehrmals auf dem Balkan und in Afghanistan. Diese beiden und eine Reihe von Mitstreitern, die der Mediendienst Integration am Donnerstag vorstellte, haben immer beides im Blick: das Einzelschicksal – und die Frage, wie wir eine funktionierende Einwanderungsgesellschaft werden. Wenn Leute mit dieser Art von Lebenserfahrung und Nüchternheit dem Bamf weiter auf die Beine helfen, wird es bald eine Agentur von Welt.

Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Version des Textes waren Zuständigkeiten im Landesankunftszentrum missverständlich formuliert. Wir haben das präzisiert.