Bei der Aufklärung der Bremer Asylaffäre sollen auch das Bundeskriminalamt (BKA) sowie das Bundesamt für Verfassungsschutz miteinbezogen werden. Es werde geprüft, ob Gefährder von den Asylentscheidungen der Bremer Außenstelle des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (Bamf) profitiert haben könnten, sagte eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums dem Spiegel. Dabei geht es um Personen, denen die Sicherheitsbehörden beispielsweise Anschläge in Deutschland zutrauen würden.

Im April war bekannt geworden, dass die Bremer Außenstelle des Bamf mindestens 1.200 Asylanträge zu Unrecht bewilligt haben soll – die meisten stammten von Kurden, die angegeben hatten, zur Religionsgemeinschaft der Jesiden zu gehören. Die Fälle werden nun neu überprüft. Derzeit ermittelt die Staatsanwaltschaft Bremen gegen die Leiterin der Außenstelle, sowie zwei Dolmetscher und drei Anwälte, mit denen sie zusammengearbeitet haben soll. 

Inzwischen darf die Bremer Außenstelle des Bamfs auf Anweisung von Innenminister Horst Seehofer (CSU) nicht mehr über Asylanträge entscheiden. Zudem veranlasste Seehofer eine Systemüberprüfung des Bamfs durch den Bundesrechnungshof. Auch 13 andere Außenstellen des Bamf werden überprüft. Außerdem erwägt die Generalstaatsanwaltschaft Nürnberg Ermittlungen gegen die aktuelle Bamf-Chefin Jutta Cordt.

Wegen der strafrechtlichen Ermittlungen in Bremen ist eine gemeinsame Ermittlungsgruppe der Zentralen Antikorruptionsstelle und des Landeskriminalamts Bremen mit Unterstützung der Bundespolizei geplant. Robert Seegmüller, Vorsitzender des Bundes Deutscher Verwaltungsrichter und Verwaltungsrichterinnen, hält die Vorfälle von Bremen allerdings "eher für einen Einzelfall". Seegmüller sagte ZEIT ONLINE, es fehle aber eine neutrale Instanz, die das Bundesamt kontrolliere. "Bis vor einigen Jahren gab es einen Bundesbeauftragten für Asylangelegenheiten, der klagen konnte, falls das Bundesamt zu viele positive Entscheidungen traf. Der wurde abgeschafft. Es wäre gut, dieses Amt wieder einzuführen."